31. Januar 2018

Affen, Affentheater und Abgase

“ Coolest Monkey in the Jungle “ als Mode-Botschaft auf dem Hoodie eines schwarzen Jungen, war das eine gute Idee? Eher nicht. Mit ihrer Werbung hat die Modekette H&M einen Shitstorm im Netz losgetreten. Das Unternehmen reagierte umgehend, entfernte das Bild und entschuldigte sich.

Damit war es aber nicht getan. Die Welle der Empörung erfaßte alle Kontinente, ganz nach dem Muster der Niederlassungen, die das global agierende Unternehmen gegründet hat. Die Aktienkurse von H&M stürzten ab, das Unternehmen gilt als angeschlagen.

 

Affen und Menschen in der Modeindustrie

„Affe“ hat als rassistische Beleidigung eine lange Geschichte, besonders in Südafrika. Das Ende der Apartheid ist gerade mal 27 Jahre her. Die Wunden der unseligen Vergangenheit sind noch lange nicht verheilt. Daher glaubten viele Südafrikaner, dass sich der Konzern der negativen Konnotationen bewusst war. Die radikale Gruppe Kämpfer für Wirtschaftliche Freiheit (EFF) organisierte Protestaktionen in mehreren H&M-Filialen in Johannesburg. Aktivisten zerstörten Werbetafeln in den Geschäften, rissen Kleidungsstücke herunter und warfen Schaufensterpuppen um. Ein H&M-Shop sei geplündert worden, teilte die südafrikanische Polizei mit. Sie vertrieb die Demonstranten mit Gummigeschossen. „In ganz Südafrika sind H&M-Läden geschlossen, weil sie unsere Kinder Affen genannt haben“, sagte der Chef der Aktivisten, Julius Malema. Fühlte er sich persönlich beleidigt (kein Wunder) oder sah er die Chance für einen Riesenwirbel (auch kein Wunder)? Ganz klar ist, dass der Konzern gegen die sensibelsten Regeln der globalen Werbekommunikation verstoßen hat, und die lauten: nein zu Rassismus und nein zu Sexismus.

Eine Zahl gibt uns zu denken: Im weltweiten Modezirkus arbeiten nur 4 % Schwarze als Models. Hatten die Marketingexperten von H&M diese Zahlen im Hinterkopf, als sie mit dem schwarzen Jungen und seiner Botschaft vom coolsten Affen provozieren und Aufmerksamkeit erregen wollten?

Zum Affenzirkus im Fußball

Gerade im Sport werden Spieler mit schwarzer Hautfarbe immer wieder mit „Affen-Lauten“ verunglimpft. Daher meldeten sich einige zur H&H Werbung zu Wort wie Kevin-Prince Boateng oder Mario Balotelli „Haben Sie ihren Verstand verloren?“ und „Nein zu Rassismus“.  Im „Kicker“ wurden die divenhaften Versuche von Aubameyang, seinen Verein zu wechseln, als „Affenzirkus“ bezeichnet. Aubas Vater meldete sich postwendend: ein beschissener Journalist sei das, der seinen Sohn als Affen bezeichnen würde. Affenzirkus ist gleich, du bist ein Affe??? Umgangssprache ist tückisch und entlarvt Vorurteile. Ist so. Als sich der schwarze Nationalspieler Antonio Rüdiger theatralisch fallen ließ, bezeichnete das der Fußballkommentator Tom Bartels als „den Affen machen“. Bartels entschuldigte sich später. Das dazu, wie nahe Affen und Alltagsrassismus in der Sprache gegenwärtig sind, und das nicht nur im Sport.

Ihren Zorn, Frust, Abneigung oder Bewunderung drücken Fußballfans auf verschiedene Weise aus, dazu gehören auch Bananen als rassistisch gemeinte Wurfgeschosse. Kann mir einer verraten, warum gerade Oliver Kahn, der blondeste Ex-Torhüter bei den Bayern, mit fliegenden Bananen bedacht wurde?

Zu Affen und Menschen in der Autoindustrie

Die Autoindustrie ist weniger zimperlich in Fragen des Rassismus wie auch in der Unterscheidung von Primaten und Hominiden (wie viele schwarze Fußballstars fahren Mercedes, Audi u.a. ?). Mensch und Tier sind von dieser Industrie gleichwertig behandelt worden, zumindest was Abgastests betrifft. Auch kein Wunder, die genetischen Unterschiede zwischen Primaten und Hominidi sind verschwindend gering. Beide Arten wurden in Boxen gebracht und Abgasen ausgesetzt. Klingt alles zynisch, und war es auch. Der von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Verband EUGT hat Abgas-Tests an Affen durchführen lassen, um das Image deutscher Diesel-Autos aufzupolieren. (Die Affen heißen seither „Diesel-Affen“, was mit ihnen nach den Tests geschehen ist, weiß niemand so genau). Die Wolfsburger waren federführend bei den umstrittenen Versuchen. Zusätzlich wurden Tests mit Stickstoffdioxid an Menschen durchgeführt, von der Uni Aachen, mit dem Ziel zu beweisen, dass die Diesel-Abgase auf den Straßen nicht so giftig sind wie jene an manchen Arbeitsplätzen, z. B. denen von Schweißern.  War alles überflüssig, denn in einer europaweiten Untersuchung wurde längst nachgewiesen, dass Stickoxide und Feinstaub die DNA nachweisbar schädigen (Michael Kabesch). Was haltet ihr davon? Schreibt uns Eure Meinung

Angelika und das Team von afrika4teens

Mehr über Affen und Wölfe auf afrika-junior

Unbedingt lesenswert: Ein Gedicht von einem afrikanischen Kind über Rassismus

Februar ist der Black History Month

Jedes Jahr im Februar wird in zahlreichen Ländern der Black History Month (BHM) gefeiert. Diese Tradition geht auf das Jahr 1926 zurück, als der Historiker Carter G. Woodson eine Veranstaltungsreihe initiierte, um die breite Öffentlichkeit in den USA über Schwarze Geschichte und die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen der afro-amerikanischen Bevölkerung aufmerksam zu machen. Er wird heute in vielen Städten von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) organisiert und soll die Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland würdigen.

Veranstaltungen zum Black History Month finden in Hamburg, Frankfurt und Berlin statt. Mehr Infos darüber findet ihr bei der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

Am 12. Februar ist der Red Hand Day. An diesem Tag wird der Kindersoldaten gedacht, die weltweit, vor allem in Afrika, im Einsatz sind oder waren. Eine Reihe von nationalen und internationalen Organisationen setzt sich gegen die Rekrutierung von Kindern als Soldaten ein. Hierzu zählen beispielsweise UNICEF,  Amnesty International und terre des hommes. Sie setzen sich ein für die Entwaffnung von Kindern, Entlassung aus dem Militärdienst und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Ein empfehlenswerter Roman dazu ist ‚Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr‘ von China Keitetsi

10. Januar 2018

Rückblick und Ausblick auf die wichtigsten Ereignisse in Afrika 2017/18

War 2017 ein gutes Jahr für Afrika? Manche Völker und Gesellschaften haben allen Grund auf Verbesserungen zu hoffen, in manche Staaten herrscht noch Bürgerkrieg und einige ostafrikanische Länder kämpfen mit dem Klimawandel.

Ein gewaltiger Erdrutsch in Sierra Leone kostete im August 2017 mehr als  1 300 Menschen das Leben.

Nach 3 Jahren Gefangenschaft kamen im Mai 2017 82 der Chibok Mädchen frei, die von Boko Haram entführt wurden, und konnten zu ihren Familien zurückkehren.

In Gambia trat im Januar letzten Jahres der langjährige Präsident Yahya Jammeh zurück und machte den Weg frei für einen friedlichen Regierungswechsel.

Der Bürgerkrieg in Südsudan zwang über eine Million Menschen zur Flucht und in Uganda Schutz zu suchen.

Ghana schickte am 7.7.2017 von der Internationalen Raumstation den GhanaSat-1 ins All und ist zum Mitspieler im Rennen um die Eroberung des Weltraums geworden.

Ein Bombenanschlag in Somalia am 16.10. des Jahres kostete 400 Menschenleben.

Die Menschen in Simbabwe feierten am 21.11. den Rückzug von Robert Mugabe.

In Gabun fand die Fußball-Afrikameisterschaft 2017 statt. Am 6.2. gewann Kamerun in einem dramatischen Finale zum fünften Mal die afrikanische Meisterschaft. Deutschland und Kamerun treffen nun beim Konföderationen-Pokal im Sommer dieses Jahres in Russland, Sotschi im letzten Gruppenspiel aufeinander.

China eröffnete im Juli 2017 die erste Militärbasis außerhalb seiner Grenzen, und das ausgerechnet in Afrika, in Dschibuti. Der Staat liegt strategisch günstig am Schnittpunkt von Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Asien.

Der EU-Afrika-Gipfel 2017 in der ivorischen Hauptstadt Abidjan stand unter dem Motto Investieren in die Jugend – für eine nachhaltige Zukunft . Er markierte einen Wandel in der Entwicklungshilfe. Statt Hilfe soll ein Rahmen geschaffen werden, um Investitionen in den Erdteil zu holen. So können Arbeitsplätze in zukunftsfähigen Industrien und in Medien geschaffen werden, die hauptsächlich afrikanischen Jugendlichen zu Gute kommen.

Das schlimmste Ereignis in 2017 war die Dürre in Ostafrika. Betroffen waren vor allem Somalia und seine Nachbarländer. Weil durch die Dürre die Nutztiere sterben, verlieren die Nomadenfamilien ihre Existenzgrundlage. In Südsudan waren 100.000 Menschen vom Hungertod bedroht, und etwa 250.000 Kinder waren unterernährt. Es ist kein Geheimnis, was die Hungersnot verursacht: Bürgerkrieg, Terrormilizen und insbesondere der Klimawandel.

Wer hilft?

Gemeinsam mit den USA, Großbritannien, Deutschland und Kanada bestreitet Europa mehr als 60 Prozent aller humanitären Hilfe weltweit. China oder die Golfstaaten tragen leider nur wenig dazu bei. Ob sich das bald ändern wird, ist abzuwarten.

Wichtiges

Freiheit für Patrice Nganang

Wir bitten um deine Aufmerksamkeit. Seit dem 6. Dezember 2017 wird der Autor und Journalist Patrice Nganang, der sich seit Jahren für Menschenrechte und gegen die Diktatur in seinem Heimatland Kamerun einsetzt, vermisst. Nach einem einmonatigem Besuch in Kamerun wollte er nach Harare, Zimbabwe fliegen, wo er jedoch nie ankam. Nganang veröffentlichte mehrere Romane, darunter der furiose Großstadtroman Hundezeiten. Wenn du auch die Petition für Patrice Nganangs Freiheit unterschreiben möchtest, klicke bitte auf diese Adresse: http://bit.ly/2B5zNHC

Aktuelles

Wir gratulieren

Der kenianische Schriftsteller Ngugi wa Thiong’o feiert am 5.1. dieses Jahres seinen achtzigsten Geburtstag. Er schrieb so wichtige und beeindruckende Romane wie Träume in Zeiten des Krieges und Herr der Krähen. Er gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Literaturnobelpreis.

 

Wir trauern um

Hugh Masekela, einen der bekanntesten Jazzmusiker Südafrikas. Der Weltklasse Trompeter verstarb im Alter von 78 Jahren nach schwerer Krankheit im Januar 2018. Masekela galt als einer der Pioniere des Afro Jazz, 40 Alben hat er im Lauf seiner Karriere herausgegeben. Wegen des menschenverachtenden Apartheid Regimes lebte er drei Jahrzehnte lang im Exil. Er arbeitete mit Harry Belafonte, Fela Kuti, Paul Simon, Stevie Wonder und Bono zusammen, wie auch mit der Südafrikanerin Miriam Makeba, mit der er von 1964 – 1966 verheiratet war.

Ein spannendes, glückliches, friedvolles Neues Jahr wünschen

Angelika und das Team von afrika4teens!

3. Dezember 2017

Kann man mit einem Fußball Licht in afrikanische Hütten zaubern?

Jessica o. Matthews

Was würden Thomas Müller, Lewandowski und Co dazu sagen? Wir wissen es nicht, aber seit ein paar Jahren wissen Jessica O. Matthews und ihre Mitstreiter, dass es tatsächlich möglich ist! Alles begann in Nigeria, als die Afroamerikanerin Jessica O.Matthews zu einer Hochzeit ihrer Tante fuhr. Während die Kids Fußball spielten, feierten die Erwachsenen. Während der Feier fiel immer wieder der Strom aus (passiert tatsächlich öfter in Nigeria). Mit einem Dieselgenerator wurde Abhilfe geschaffen, und im giftigen Dieseldunst feierte man die Nacht durch. Den Nigerianern war es egal, Jessica war entsetzt wegen der giftigen Gase. Jahre später hatte sie eine Prüfung an der Uni. Aufgabe war es, ein Produkt herzustellen, das sozialen Zwecken dient. Das war die Geburtsstunde des „Lichtfußballes“, eines energiespendenden Spielzeugs.

Wie funktioniert der Lichtfußball

(c) youtube

Der „Soccket“  genannte Fußball besitzt – verborgen von einer Klappe – die Fassung für eine LED Birne.  Im Inneren befindet sich ein Gyroskop, ein Kreiselinstrument. Wenn der Ball rollt, bewegt sich darin das Gyroskop. Die so erzeugte kinetische Energie wird in einer Batterie gespeichert. Nur 30 Minuten Gekicke mit dem Ball reichen aus, um mit dem erzeugten Strom eine LED-Lampe drei Stunden lang zu erleuchten. So kann man spielerisch Licht in nigerianische Dörfer bringen, die weitab von der öffentlichen Stromversorgung liegen. Gut 1,2 Milliarden Menschen auf der Welt fehlt der Zugang zu Elektrizität. Spielen die Kinder tagsüber Fußball, können sie abends lesen und lernen.

Wie wurde der Fußball in den Handel gebracht?

(c) barefoot

Um das Produkt serienreif zu machen und es auf den Markt zu bringen, wenden sich Matthews und ihre Gruppe an die Internetgemeinde. Auf „Kickstarter“ stellt Matthews im Januar 2013 den intelligenten Fußball vor. 75.000 Dollar wollen sie der Crowdfunding-Aktion einsammeln. Die Netzgemeinde ist angetan. Schauspieler Ashton Kutcher und Microsoft-Milliardär Bill Gates rufen zum Mitmachen auf. Der vormalige Präsident Obama kickt mit dem Soccket werbewirksam auf seiner Afrika-Reise. Der Fußball wird für 99 Dollar verkauft, Abnehmer sind hauptsächlich Regierungen und NGOs, die ihr Label auf den Ball drucken. Für jeden verkauften Ball wird ein zweiter Ball gratis verteilt. Dann der Rückschlag: Die Bälle gehen zu schnell kaputt. Die Netzgemeinde ist empört, Matthews und ihre Gruppe reagieren schnell. Die Produktion wird umgekrempelt, mit neuem Hersteller, neuem Design und neuem Innenleben schaffen sie einen langlebigen Fußball. Das Geschäft läuft nun rund, die Bälle gelangen nach Afrika, und in den Hütten und Häusern abseits der großen Städte ist es auch nachts hell!

Übrigens:  Jessica O. Matthews und ihre Mitstreiter nennen ihre Firma „Uncharted Play“. Sie haben noch eine Menge Spielideen, mit denen sie Licht in die Welt bringen wollen, zum Beispiel ein intelligentes Sprungseil. Wir sind gespannt.

2. November 2017

Kenia vor der Wahl ist Kenia nach der Wahl – November 2017

Kenia, das einstige Vorzeigeland in Ostafrika hat ein Problem: Amtsinhaber Uhuru Kenyatta siegt mit der Jubilee Party bei der wiederholten Präsidentenwahl in Kenia. Schon die erste Wahl im August war von Unregelmäßigkeiten begleitet und musste wiederholt werden – auf Anordnung des Obersten Gerichts von Kenia.

Die vermasselte Wahlwiederholung

Inauguration von Uhuru Kenyatta

Auch die Wiederholung der Wahl lief nicht fair ab. Deshalb wurde sie von Raila Odinga, dem Oppositionsführer boykottiert. Denn erneut sahen sich Odinga und seine Orange Democratic Movement Party durch die Regierungspartei von Kenyatta behindert. Das Gericht war unmittelbar vor der wiederholten Wahl nicht beschlussfähig, um Raila Odingas Vorwürfe zu prüfen. Ein Gerichtsdiener war angeschossen worden, und die Richterin war nach New York geflohen. Es war also vorauszusehen, dass Amtsinhaber Kenyatta zum Sieger erklärt würde. Die Zahlen der zweiten Abstimmung zeigen ein beunruhigendes Bild: Weniger als 35 Prozent der 19,6 Millionen registrierten Wähler gingen an die Urnen. Zum Vergleich: am ersten Wahldurchgang beteiligten sich noch fast 80 Prozent der Bevölkerung. Seit Kenyatta im August zum Gewinner der ersten Wahl erklärt wurde, sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 70 Menschen getötet worden, die meisten von der Polizei.

Wer ist für die Wahlmisere verantwortlich?

Raila Odinga während einer Pressekonferenz

Raila Odinga mit seinem Boykott oder Uhuru Kenyatta mit der Polizeigewalt gegen Oppositionelle sowie den Unregelmäßigkeiten der Wahlhelfer? Kenyatta hatte als amtierender Präsident die Fäden der Macht in der Hand und hätte die Voraussetzungen für eine faire Wahl schaffen können. Das hat er offenbar versäumt. Nun wird er in den nächsten fünf Jahren gegen die Hälfte der Bevölkerung anregieren. Ob ihm das gelingen wird, ist fraglich. Dazu muss man wissen, dass in Kenia verschiedene Völker leben, die um die Macht und den Reichtum des Landes konkurrieren: die Luo, zu denen Raila Odinga gehört, und die Kikuyu, Kenias größte und einflussreichste Volksgruppe, zu denen Uhuru Kenyatta zählt.

War der Wahlkampf eine verkappte Familienfehde?

Die Väter beider Politiker waren im vorigen Jahrhundert, als Kenia sich von britischer Kolonialherrschaft befreite, prominente Widerstandskämpfer. Beide kämpften um die Führung, als Kenia 1963 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Raila Odingas Vater Jaramogi Oginga Odinga verlor im Wahlkampf gegen Jomo Kenyatta, der Kenias erster Präsident wurde. Odinga führte drei Jahrzehnte lang die Opposition in Kenia, wurde jedoch nie Präsident von Kenia.

Raila Odinga und sein politisches Programm

Raila Odinga und die Orange Democratic Movement haben einen radikalen Wechsel versprochen. Odinga wurde 1945 als Sohn von Jaramogi Oginga Odinga geboren, einem Widerstandskämpfer, der Kenias erster Vizepräsident unter Jomo Kenyatta wurde. Raila Odinga studierte in der ehemaligen DDR und gilt als sozialistisch geprägter Politiker. Er wurde dreimal verhaftet wegen seiner Opposition gegen das einstige Ein-Parteien System in Kenia. Sein wichtigstes politisches Ziel besteht in der Gewaltenteilung, um die ungleiche Verteilung des Reichtums zu beenden. Denn unter dem vorigen und jetzigen Amtsinhaber Uhuru Kenyatta hat sich die Schere zwischen den Reichen und Armen in Kenia immer weiter geöffnet. Seine politischen Gegner haben ihm als Sozialisten unterstellt, dass er der freien Wirtschaft großen Schaden zufügen würde. Odingas Wahlversprechen bestand außerdem darin, die Infrastruktur zu verbessern. Er sagte auch, er würde die grassierende Korruption eindämmen. Dumm nur, dass auch gegen Mitglieder seiner eigenen Partei Verfahren wegen Korruption anhängig sind.

Uhuru Kenyatta und sein politisches Programm

Uhuru Kenyatta wurde 1961 geboren, kurz nachdem sein Vater nach einem Jahrzehnt in britischer Haft aus dem Gefängnis entlassen und zum ersten Präsidenten des unabhängigen Kenias gewählt wurde. Uhurus Vorname bedeutet auf Kiswahili „Freiheit“. Kenyatta wird als Führer des Kikuyu Volkes betrachtet, des größten in Kenia ansässigen Volksstammes. Er ist Katholik, verheiratet und hat drei Kinder. Kenyatta studierte in den USA. Der Multimillionär besitzt eine Reihe von Firmen und ist Großgrundbesitzer. Er gilt als einer der reichsten Männer Afrikas. Kenyatta konnte schon die Wahlen 2013 für sich entscheiden, obwohl er vor dem Internationalen Gerichtshof wegen seiner Rolle bei den gewalttätigen Ausschreitungen in 2007 angeklagt war. 2014 wurde die Anklage aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Kenyattas erste Amtszeit zeichnete sich durch Verbesserungen der Infrastruktur sowie größeres Wirtschftswachstum aus. Seine Erfolge waren allerdings begleitet von wachsenden Schuldenbergen und einer immer größeren Ungleichheit zwischen armen und reichen Kenianern.

Was sagen die Kenianer zu dem Wahlergebnis?

„Egal wer in Kenia gewinnt, ob frei/demokratisch oder gefälscht/undemokratisch: Kenyatta steckt sich das Geld in die rechte eigene Tasche oder Odinga in die linke eigene Tasche. Mit Demokratie hat das wenig zu tun, sondern mit Bereicherung eines Stammes.“ Fest steht, dass das Mißtrauen zwischen den verschiedenen Völkern Kenias größer geworden ist und die Hälfte der Bevölkerung  dem Amtsinhaber Uhuru Kenyatta mit großer Skepsis gegenüber steht. Obwohl sie dessen Vater Jomo Kenyatta in guter Erinnerung haben. Schließlich war er Gründungspräsident von Kenia. Es ist zu hoffen, dass Kenyatta während seiner zweiten Amtszeit die Interessen aller Völker Kenias gleichermaßen in seine politischen Entscheidungen einbezieht.

Mehr über Kenia

3. Oktober 2017

An African City – Junge Afrikanerinnen erzählen von sich

(c) anafricancity

An African City ist eine Beziehungs-Komödie um fünf Afrikanerinnen, die aus den USA nach Afrika zurück gekehrt sind. Alle sind jung, gebildet, reich und suchen nach ihrem Platz in der Gesellschaft Ghanas. Warum sind sie nach Afrika zurück gekehrt? Aus Heimweh. Und weil sie sich in den USA nie zugehörig fühlten. Sie sind Afropolitans, jung, gebildet, mit so einem guten Netzwerk ausgestattet, dass sie jederzeit Afrika wieder verlassen könnten.

Endlich mal nicht mehr Opfer sein

Anders als Carrie Bradshaw und ihre Freundinnen aus Sex and the City kreisen ihre Gedanken nicht nur um den Mr. Right, Karriere und Mode, sondern um Themen die alle jungen Afrikanerinnen beschäftigen: Es geht um gesellschaftliche Tabus, wie Sex und Religion, um Probleme wie Müll und Klimawandel, und natürlich um Männer, Machogehabe und patriarchale Strukturen. Die einzelnen Folgen basieren auf wahren Geschichten, erklärt die Schöpferin Nicole Amarteifio. Sie will zeigen, dass „…Afrika auch Schönheit ist und Intelligenz und Glamour. Dass afrikanische Frauen nicht immer arm und unterdrückt, sondern gebildet, stylish und modern sind.“ Die Serie war erst im Ausland erfolgreich, in Kanada, Frankreich, England, bevor sie das Publikum in Ghana begeisterte. „Es war die Diaspora, die uns feierte. Endlich mal ein anderes Afrikabild, endlich mal sind wir nicht mehr Opfer, haben die Leute geschrieben“ sagt Amarteifio. Die Ghanaerin zeigt ein Afrika, in dem Hochhäuser gebaut, internationale Mode entworfen und Kunstausstellungen abgehalten werden. Ein Afrika der Start Ups, der verrückten Ideen und der Suche nach Liebe. Gedreht wurde in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Die erste Staffel der Serie wurde auf Youtube gezeigt. Für die zweite Staffel müssen die Zuschauer zahlen.

(c) anafricancity

Zur Regisseurin: Die 35jährige Nicole Amarteifio produziert Filme und Serien, die afrikanische Frauen auf ungewohnte Weise zeigen: als Heldinnen stylisher Beziehungs-Comedys. Sie liebt Filme, hat aber das Filmgeschäft nie studiert. Als sie sieben Jahre alt war, wanderte ihre Familie in die USA aus, kehrte jedoch nach einigen Jahren wieder nach Ghana zurück. Nicole blieb im Ausland, sie studierte in den USA und London. Danach betreute sie für die Weltbank den Social-Media Auftritt. Sie sparte eine Menge Geld und kehrte nach Ghana zurück, wo sie mit der Produktion ihrer ersten TV-Serie loslegte. Ihr nächstes Projekt ist ein Spielfilm über ein Brautpaar, das vor der Hochzeit die schlimmsten Tage seines Lebens erlebt. Wir sind gespannt darauf.

Kinotipp: Die Nile Hilton Affaire, freigegeben ab 12 Jahre

Kairo im Jahr 2011: Die ägyptische Hauptstadt ist in der Hand der Reichen und Mächtigen, das Leben ist geprägt von Korruption und Dekadenz, die Revolution steht kurz bevor. Als in der Luxussuite des Hotels Nile Hilton die Leiche einer bekannten Sängerin gefunden wird, soll der Polizist Noredin (Fares Fares) die Ermittlungen übernehmen, der sich seit dem Unfalltod seiner Frau in seiner Arbeit vergraben hat. Noredin stellt schnell fest, dass das, was nach einem Verbrechen aus Leidenschaft aussieht, in Wahrheit eine Straftat ist, in die die Elite des Landes involviert zu sein scheint.

Ein empfehlenswerter Film darüber, warum der Arabische Frühling gescheitert ist, und warum er noch nicht vorbei ist.

12. Mai 2017

In eigener Sache

viele von euch kennen uns vermutlich schon. Denn afrika4teens war früher Teil von afrika-junior. Ab jetzt gehen wir mit afrika4teens neue Wege. Wir machen diese Seite für Besucher zwischen 11 und hundert. Der Grund ist so einfach wie zwingend. Die Kinderseite afrika4teens.de ist dank der Förderung durch die Initiative Ein Netz für Kinder  umfangreicher geworden, man kann alle Länder aufrufen und findet auch eine Menge Spiele, Rätsel und Quizzes. Seht euch dort einfach mal um, und spielt mit, zum Beispiel bei dem Browserspiel Die Buschpiloten.

Der Jugendbereich ist dabei ins Hintertreffen geraten, und das wollen wir mit afrika4teens ändern. Ihr findet hier neue Schwerpunkte und ein größeren Mitmachangebot. afrika4teens steht erst am Anfang, einige Bereiche wie die Länderinfos werden demnächst  vergrößert. Bis dahin könnt ihr euch bei den Länderinfos von afrika-junior umsehen.

Die Mediathek wird künftig um Neues aus Film, Literatur und anderen Medien erweitert. Wie im früheren Newsblog berichten wir auch zukünftig jeden Monat über Neues aus Politik, Kultur, Umwelt- und Tierschutz. Besucht uns und schreibt uns, was euch gefällt, was ihr anders machen würdet oder sendet uns eigene Beiträge. Wie das geht, findet ihr unter mach mit!

Wir freuen uns drauf,

Angelika und das Team von afrika4teens