Tifinagh – die Schrift der Tuareg

Dreisprachiges Ortszeichen von Isser in Algerien, die mittleren Zeichen sind in Tifinagh

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Die Schrift der Tuareg zählt zu den ältesten Schriften der Menschheit. Kurze Inschriften finden sich bereits auf den vorchristlichen Felsbildern der Sahara, wobei nicht geklärt ist, ob die Schriftzeichen später hinzugefügt wurden. Sie besteht aus einfachen, geometrischen Formen.  Je nach Region werden zwischen 21 bis 27 Zeichen verwendet. Das Tifinagh ist schwer lesbar, denn es kann von rechts nach links und von oben nach unten geschrieben werden. Oft werden nur kurze Botschaften auf Steine, Baumstämme und in den Sand geschrieben. Besonders die Klingen der Tuareg-Schwerter waren mit Tifinagh-Zeichen verziert, die dem Krieger Glück bringen sollten. Die Schrift auf der rechten Abbildung ist modernes Tifinagh, das wie das Arabische Schrift von rechts nach links geschrieben wird. Auf dem dreisprachigen Ortszeichen von Isser in Algerien ist der mittlere Schriftzug in Tifinagh.

 

Tifinagh – eine alte Schrift zwischen Magie und Moderne

Seit dem Mittelalter ist die vorherrschende Schrift der Tuareg das Arabische. Tuareg-Fürsten hatten in ihrer Nähe stets einen schreibkundigen Mann, meistens einen Marabut, der die Korrespondenz führte und Verträge abfaßte. In Marokko werden Tifinagh-Zeichen zu magischen Zwecken mit Henna oder anderen Farbstoffen auf die Haut gemalt. Heute sind die meisten Schilder in Tuareg Städten in drei Schriftsprachen abgefaßt, in Tifinagh, arabisch und französisch.

Die Erzählungen der Tuareg

Viele Erzählungen und Legenden der Tuareg berichten von einem Leben in Freiheit, von Kämpfen und von Liebesgeschichten. Sie wurden von Marabuts mündlich von Generation zu Generation überliefert. Die Tuareg pflegen eine hohe Dichtkunst. Begleitet vom Klang der Inzad, einem einsaitigen Musikinstrument rezitieren sie ihre Gedichte und Balladen.

Zerbrochenes Glück

Als ich das Tinileft-Tal
durchquert und verlassen
fand ich ein Glück,
das wäre vollkommen gewesen,
hätte es nur Bestand gehabt!

Das Glück war köstlich
bis zu dem Tag,
an dem sich alles wandelte.
Da es nun einmal zerbrochen ist,
wünschte ich mir,
ich hätte es nie gekannt!

Aus dem Buch „Tuareg Poesie“, herausgegeben von Heike Miethe-Sommer. Cargo 1994.