Wissen

_“Wenn ihr Wissen bewahren wollt, vertraut es den Kindern an“_
heisst es bei den Bambara in Westafrika

!/wp-content/uploads/2017/images/jugend/wissen/junge_und_elefant_2.jpg(Das Photo des Filmemachers Gregory Colbert, der die Ausstellung _Ashes and Snow_ am Nomadic Museum 2002 kuratierte, ging um die Welt)!
Im südlichen und westlichen Afrika lernten Kinder in früheren Zeiten alles von ihren Eltern und Großeltern. Von ihnen wurden sie in die Geheimnisse ihres Berufes eingeführt. Von den Griots, den Bewahrern der Tradition, erfuhren sie die Geschichte ihres Volkes, lernten die Kunst der Jagd, des Heilens und wurden in die religiösen Riten eingeweiht. Es gab weder Bücher noch Bibliotheken, denn die Griots hatten alles Wissen in ihrem Gedächtnis bewahrt. Sie waren richtige Gedächtniskünstler. Erst im Zuge der Kolonialisierung im 19. Jahrhundert wurde die Schrift eingeführt und Schulen und Universitäten nach europäischem Vorbild gebaut. Einige Völker in Ostafrika dagegen nutzten schon lange verschiedene Schriftsysteme. Die älteste Schrift ist die ägyptische, sie ist mehrere tausend Jahre alt. Das koptische Schriftsystem der Ägypter und Lybier, das arabische Alphabet und die Schrift der Amhara in Äthiopien sind viele hunderte von Jahren alt und verglichen mit der Schrift der Pharaonenzeit vergleichsweise jung.

h2. Welche afrikanischen Sprachen gibt es?

!</wp-content/uploads/2017/images/jugend/wissen/theaterplakate.png(Theaterplakate in amharischer Sprache.)! In Afrika werden mehr als dreitausend Sprachen gesprochen: Arabisch, Hausa, Swahili, Lingàla, Fulfulde, die Berbersprachen und viele andere mehr. Eine der bekanntesten Sprachen ist Swahili, eine Bantusprache, die vorwiegend in Ostafrika gesprochen wird. Ursprünglich stammt die Bezeichnung aus dem arabischen und bedeutet „Küste“ oder „Grenze“. Denn die Araber treiben seit langer Zeit mit den Küstenbewohnern zwischen Somalia und Mosambik intensiven Handel. Aus der deutschen Kolonialzeit ist „shule“ als Wort für Schule einer der wenigen Begriffe, der ins Swahili übernommen wurde. Umgekehrt wurde das Wort „Safari“, das Reise bedeutet, aus dem Swahili ins Deutsche übernommen. Hausa ist im Westen Afrikas verbreitet und wird von mehr als 50 Millionen Afrikanern beherrscht.

h2. Was ist ein Griot?

!>/wp-content/uploads/2017/images/jugend/wissen/mamadou_diabate.jpg(Mamadou Diabate, Koraspieler aus Mali)!
*_Wenn ein Griot stirbt, geht eine Bibliothek unter_*
Amadou Hampaté B&acirc; Nachfahre eines Griots.

Griots oder Griottes nennt man die Geschichtenerzähler und Erzählerinnen, die das Wissen von Familien, Klans, Stämmen oder Völkern im Gedächtnis bewahren. Sie kennen alle Geschichten auswendig und erzählen sie bei Festen und besonderen Anlässen. Sie beherrschen häufig mehrere Instrumente wie das Balafon, eine afrikanisches Xylophon oder die Kora, eine afrikanische Harfe. Mit diesen Instrumenten begleiten sie ihre Vorträge. Ihr Beruf ist geachtet und ihre scharfe Zunge gefürchtet, denn sie sind die einzigen, die ungestraft auf Missstände hinweisen dürfen. Eine Geschichte, die jeder Griot kennt, ist die über den Löwenkönig Sundiata Keita.

h2. Das afrikanische Heldenepos über Sundiata Keita

!</wp-content/uploads/2017/images/jugend/wissen/mansa.png(Mansa Musa, König von Mali, 1312 – 1337)!
Seit vielen Generationen erzählen die Griots die Geschichte vom mächtigen König Sundiata Keita. Ihre Geschichte über den legendären Löwensohn stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie beschreibt den Aufstieg eines Helden in Westafrika. Schon bei seiner Geburt verkündeten die Seher dem König, dass der Sohn seiner zweiten Frau ein großer Krieger und Herrscher werden würde. Wie konnte das sein, wo doch sein Halbbruder aus der ersten Ehe seines Vaters ältere Rechte hatte? Zu allem Übel war Sundiata gelähmt. Kein Behinderte konnte damals Herrscher werden. Doch nach sieben Jahren wurde Sundiata durch die Blätter des Baobabbaums auf wundersame Weise geheilt. Sundiata war beim Volk beliebt. Doch seine Brüder trachteten nach seinem Leben und Sundiata musste für viele Jahre in die Fremde gehen. Sundiata erlernte bei seinem Onkel, König Farin Tunkara das Kriegshandwerk. Danach kehrte er zurück und besiegte seinen Halbbruder und vernichtete alle Feinde, die sein Volk bedrohten. In der Mitte seines Reiches errichtete er eine Stadt, die er Mali nannte. Er legte den Grundstein für das legendäre Mandinge-Reich. Die Griots berichten noch heute von der Weissagung und dem beispiellosen Aufstieg des Löwenkönigs Sundiata Keita.

h2. Was hat ein Baum mit Geschichte zu tun?

!>/wp-content/uploads/2017/images/jugend/wissen/baobab_baum.jpg(Baobab Baum)!
Der Baobab gilt als Baum des Lebens. Unter dem majestätischen Baobab hielt in früheren Zeiten der Ältestenrat der Stämme seine Sitzungen ab. Die Griots versammelten sich unter seinen ausladenden Zweigen, erzählten Geschichten und hofften, vom Geist der Ahnen beflügelt zu werden. Denn es hieß, im Baobab wohnten die Seelen ihrer Vorfahren. Gemäß dieser Sage gibt es die Tradition, dass Griots im ausgehöhlten Stamm des Baobab beerdigt werden.

h2. Griots und Medien

!</wp-content/uploads/2017/images/jugend/wissen/griot.jpg(In Afrika gilt Radio als das wichtigste Medium)! Die heutigen afrikanischen AutorInnen tragen den Geist der alten Griots weiter. Sie verweben alte Märchen. Gedichte und Sprichwörter in ihre Romane. Die Lyrik gilt ähnlich wie bei den Griots auch bei den jungen Autoren als Königsdisziplin. Die modernen Erzähler schreiben häufig in Englisch, Französisch oder Portugiesisch, der Sprache der einstigen europäischen Kolonialmächte. Mit diesen Sprachen erhalten sie bessere Verbreitungschancen auf dem internationalen Buchmarkt. In nahezu allen Ländern südlich der Sahara gilt das Radio als wichtigstes Medium. Radios, gerade die beliebten Kofferradios sind vergleichsweise preiswert. Menschen, die nicht lesen können oder die sich keine Zeitung leisten können, informieren sich zu Politik und Sport übers Radio. In jedem afrikanischen Land werden mehrere Rundfunkstationen betrieben. Fernsehen wird immer wichtiger, doch gerade in den ärmeren Ländern können sich viele TV Geräte nicht leisten. Wie Fatou Diome in ihrem Roman _Der Bauch des Ozeans_ schreibt, gibt es in manchem Dorf nur ein TV Gerät, um das sich bei besonderen Anlässen alle Bewohner scharen.

h2. Lagos – Zentrum des afrikanischen Films

Senegal galt lange Zeit als wichtigstes afrikanisches Filmland. Der senegalesische Autor und Regisseur Ousmane Sembène wurde als Vater des afrikanischen Kinos bezeichnet. Ousmane Sembène schrieb zunächst Romane. Durch die geringe Verbreitung seiner Bücher verlegte er sich auf das Erzählen von Filmgeschichten. Sein Film _La Noire de…_, in der englischen Fassung _Black Girl_, schildert die Verzweiflung einer Afrikanerin, die in Frankreich als Dienstmädchen arbeitet. Mit diesem Film erreichte er eine größere internationale Aufmerksamkeit. Durch seine Filme begannen europäische Kritiker, sich mit afrikanischem Kino zu beschäftigten. !>/wp-content/uploads/2017/images/jugend/wissen/Africa-Riverhelp.png(Aufblasbare Kinoleinwand in Riverhelp, Südafrika)!
Gegenwärtig liegt das Zentrum der afrikanischen Filmindustrie in Nigeria. In Lagos, der größten Stadt Afrikas, werden pro Jahr über 2000 Filme gedreht, Tendenz steigend. Die meisten Filme sind Krimis oder Liebesgeschichten, gedreht nach einfachen Erzählmustern. Sie werden mit Digitalkamera gedreht und sind in wenigen Tagen produziert. Als DVDs werden sie auf den Markt geworfen. Es gibt nur in den Städten große Kinos, doch auf dem Land reist eine Vielzahl von Videoverleihern umher. In „Wanderkinos“, einfache Hütten, die mit Video und TV-Gerät ausgestattet sind, bieten sie vielen Menschen ein erschwingliches Vergnügen.