Mode

Afrikanische Mode ist exotisch, witzig, auffällig oder sophisticated. Sie ist so politisch wie afrikanische Musik oder Streetart, denn sie drückt den gesellschaftlichen Wandel aus, und das veränderte Selbstverständnis der Jugend Afrikas. Auf den afrikanischen Fashion Weeks in Johannesburg, Dakar oder Lagos führen afrikanische Designerinnen und Designer ihre neuesten Kollektionen vor. Sie kleiden Schauspieler, Stars oder Staatsoberhäupter ein, wie Michele Obama, Beyoncé und Rihanna.

African_Street_Style_Festival_Shoreditch_Jwslubbock-CC-BY-SA-4.0

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Afrikanische Mode verändert die Städte

Auf den Straßen der Großstädte zeichnet sich ein ungeheurer Wandel ab. Die Jugend trägt nicht mehr westliche Mode, um cool zu sein sondern entwickelt einen eigenen, selbstbewussten Stil, der international und gleichzeitig traditionell ist. Traditionelle Stoffe und Muster werden in High Fashion verwandelt. Designerinnen machen sich über traditionelle Männerhemden her und deuten sie um zu phantasievollen Frauenkleidern.

African_Fashion_in_the_City_Kelechizuvaa-CC-BY-SA-3.0

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Ihre männlichen Kollegen entfernen sich von den uniformierten westlichen Modestils und erlauben Männern einen bunten Stilmix.

Ozwald_Boatengs_Show_at_London_Fashion_Week_2010-Miles-Warren-Ozwald-Boateng-CC-BY-SA-3.0

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Der bekannteste Designer, der afrikanische und europäische Modestile mixt,  ist Ozwald Boateng, Sohn ghanaischer Auswanderer, aufgewachsen in London, wo auch seine Karriere startete. Seine Mode ist in zahlreichen internationalen Filmen zu sehen wie z.B. in MATRIX etc.

Street Fashion in Südafrika

Model_Shaholly_Ayers_wearing_Hendrik_Vermeulen-Lilly-Ann-Tonner-CC-BY-SA-4.0

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Die jungen Designer sind in ihren afrikanischen Traditionen verwurzelt, sie setzen aber auch gleichzeitig auf internationale Trends. Sie machen andere Mode, die meisten sind Außenseiter und demonstrieren das auch. Viele besitzen dabei einen ausgeprägten Sinn für Farben und Stoffe. Einige greifen zu traditionellen Stoffen und Mustern – z.B. den Kenté-Stoffen aus Ghana oder den Mustern der Masai und den Farben der Tuareg – und mixen sie mit westlichen Schnitten. Afrikanische Street Fashion bringt den Aspalt zum Glühen.

Der südafrikanische Streetstyle ist eine dynamische Mischung aus urbanen Einflüssen und kulturellem Erbe. Er ist einzigartig durch seine historische Verankerung in der Township-Kultur. Schlüsselelemente umfassen die Pantsula-Kultur, die in Townships entstand, sowie moderne Interpretationen traditioneller Stoffe wie Shweshwe. Der südafrikanische Stil eine Mischung aus Komfort, Markenbewusstsein und farbenfroher Kleidung. Prägend sind die traditionellen Muster, die oft mit modernen, weiten Schnitten wie z.B. Baggy Pants kombiniert werden. Johannesburg und Cape Town sind das Mekka der afrikanischen Street Fashion. DieDesignerinnen und Designer drücken die Ideen, die Kultur und das Stilbewußtsein der jungen Generation aus. Sie bestimmen, wie sich Afrika wandelt, und in welchem Tempo.  Beispiele?

The Smarteez fingen als Straßengang an, die auch schneidern konnte. Heute zählen sie zu den Stars der Branche. Auch das Streetwear-Label Ama KipKip kommt von dort.

Tipp: Die südafrikanische Zeitschrift Cuss informiert über Mode, Events und Kultur.

Streetwear im Congo

The Sapeurs – kommt aus dem französischen und bedeutet Klamotten – werden Männer genannt, die sich mit Mut zu auffälligen Farben und Schnitten kleiden. Es muss nur elegant und auffällig sein. Auffällige Muster und intensive Farbkombinationen bestimmen diesen Stil.

Justin_makangara_RDC_Makangarajustin-CC-BY-SA-4.0

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Die Moderichtung kommt aus dem Kongo und war ursprünglich eine Protestbewegung gegen den damaligen Diktator Joseph Mobutu. Das Tragen aufwendig kombinierter, auffälliger Kleidung sagt nichts über den gesellschaftlichen Stand aus, sondern verdeutlicht den Kontrast zwischen der inneren Freiheit eines Sapeurs und den ihn umgebenden äußeren Umständen. Das aparte Auftreten fungiert dabei primär als Widerstand gegen die Tristesse und Armut der Umgebung eines Sapeurs. Icone für diesen Trend war der kongolesische Sänger Papa Wemba.

Buchtipp: Sapeurs. Ladies & Gentlemen of the Congo von Tariq Zaidi. In dem Bildband des Londoner Fotografen Tariq Zaidi wird die Modebewegung in den Armenvierteln von Kinshasa und Brazzaville gezeigt.

 

Afrikas Modezentren

Kapstadt, Johannesburg und Lagos, Nairobi, Dakar und Kampala sind die Modezentren Afrikas. Für ost- und zentralafrikanische Desi­gner ist die Swahili Fashion Week das jährliche Highlight.

Khangalicious Fashion Show - Nick Fraser CC BY-SA 2.0

Khangalicious Fashion Show – Nick Fraser CC BY-SA 2.0

Aber auch in Angola, Mosambik und Ghana werden Modeplattformen zur Vermarktung einheimischer Designs organisiert. Für die Verbreitung neuer Trends und Marken sorgen Modezeitschriften, Blogs, Fetivals und afrikaweit ausgestrahlte Satellitenprogramme wie das Bezahlfernsehen DStv aus Südafrika.

Ist Dakar die Modehauptstadt Afrikas?

Schon an normalen Tagen fühlt man sich als Europäerin in Dakar schlecht angezogen. Die Senegalesinnen tragen Kleider, die ihnen auf den Leib geschneidert sind, das Muster des Rocks passt perfekt zur Bluse. Die Stoffe ihrer Kleider kommen meist aus Burkina Faso, Mali oder Ghana, die Schnitte aber sind so gut wie immer aus dem Senegal. In Dakar zeigen einmal im Jahr die 30 bekanntesten afrikanischen Designer ihre Kreationen, bei der „Dakar Fashion Week“, der ersten Modenschau des Kontinents. Hier werden die Trends für das Jahr gemacht, hier entscheidet sich, was hip ist.

Die Stars unter den afrikanischen Designern

LFDW3_Chidi-Lex-Ash-Ashimole-CC-BY-SA-4.0

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Die jungen afrikanischen Designer sind kosmopolitisch ausgerichtet, doch sie  bleiben den Moden der afrikanischen Völker treu.  Und die heißt: „anything goes“, alles ist möglich, Hauptsache es ist einzigartig und witzig. Tatsächlich wächst auch das weltweite Interesse an afrikanischen Designs. Bekannte Größen wie Duro Olowu, Nadir Tati, Maki Oh oder Ozwald Boateng sind auf den wichtigsten internationalen Fashion Shows zu Hause, in London, Paris und Berlin. So war der Africa Fashion Day das Highlight der Fashion Week in Berlin 2016. Auf dem Foto links siehst du ein Model der Fashion Show in Lagos, Nigeria.

(c) pixabay

Die Modeindustrie floriert in den Metropolen Afrikas, doch abseits der Zentren können sich Designerinnen und Designer nur schwer durchsetzen. Nur wenn sie größerer Stückzahlen produzieren, können sie sich auf dem Markt durchsetzen. Dazu fehlen noch die Industrien und gut ausgebildete Fachkräfte. Das kostet Zeit und wird dauern, aber die afrikanische Textilindustrie ist im Kommen. Ein anderes Phänomen macht den Designern zu schaffen: der massive Import von Second-Hand-Kleidung. Denn nicht nur Massenware, sondern auch getragene Designermode aus Europa wird in vielen afrikanischen Ländern günstig angeboten.

Ist Fair Trade in der Mode möglich?

International wächst der Markt für Mode, die unter Berücksichtigung von Öko- und Sozialstandards in Afrika produziert wird. So bringt die Ethical Fashion Initiative des International Trade Centre in Genf, einer gemeinsamen Agentur von Welthandelsorganisation (WTO) und Vereinten Nationen (UN), Kunsthandwerker in Entwicklungsländern mit internationalen Modeabnehmern in Verbindung. Bisher profitierten davon beinahe 7000 Klein­produzenten, vor allem Frauen in Kenia, Uganda, Mali, Burkina Faso, Ghana und Haiti. Top-Designer wie Stella McCartney und Vivianne Westwood unterstützen die Initiative.