Die Geschichte Kenias

Ostafrika galt für die westliche Geschichtsschreibung lange als unwesentlich. Eine Ausnahme bildete die Küstenregion Kenias. Die arabischen und islamischen Einflüsse führten dazu, dass die Geschichte Kenias in der Regel als Geschichte der ostafrikanischen Küste erzählt wurde. So entstanden um 1900 eine Reihe von ersten historischen Darstellungen Kenias, alle aus der Feder europäischer Historiker, die sich jedoch auf die historischen Geschehnisse an der Küste beschränkten.

Europäer erkunden die Ostküste

Als die Portugiesen im 15. Jahrhundert Afrika umsegelten, eroberten sie Mombasa, damals eines der größten Handelszentren an der Ostküste. 1837 unterwarf der Sultan von Oman die Küstenregion von Mombasa als Stützpunkt für die Sklavenjagd.

Einige Jahre später drangen deutsche Missionare und Afrikaforscher von Mombasa aus ins Landesinnere vor. Kurzzeitig bestand ein deutsches Protektorat über das Sultanat Witu, das bald an Großbritannien fiel. Die Briten zwangen den Sultan von Sansibar zur Abtretung seiner Gebiete und errichteten ihre Verwaltungsherrschaft über die Küstengebiete Ostafrikas. Die heutige Hauptstadt Nairobi entstand aus einem Eisenbahncamp, das 1899 zum Bau der Ugandabahn errichtet wurde. Die Ugandabahn führte von Mombasa zum Victoriasee und war eine der wichtigsten Verkehrsnetze in Ostafrika. 1920 wurde Britisch-Ostafrika offiziell zur „Britischen Kronkolonie Kenia“ erklärt. Mit der offiziellen Erklärung zur Kolonie setzte der Landraub an der einheimischen Bevölkerung ein.

Die britische Kolonialzeit und die Widerstandsbewegung der Kikuyu

Jomo-Kenyattas-Statue-gemeinfrei

JimSlim gemeinfrei

Britische Veteranen aus dem ersten Weltkrieg erhielten das kenianische Hochland der Kikuyu als Siedlungsgebiet zugeteilt. Die Kikuyu riefen zu Widerstandsbewegungen auf. Der erste Kikuyu-Aufstand, bekannt als die „Mau-Mau-Verschwörung“, wurde niedergeschlagen. Ihr Anführer Jomo Kenyatta wurde verhaftete und viele Jahre eingesperrt. Nach seiner Freilassung gründete er die Kenya African National Union (KANU). Nach den ersten freien Wahlen gewann Jomo Kenyatta die Mehrheit und übernahm das Amt des Premierministers. Am 12. Dezember 1963 erhielt Kenia die volle Unabhängigkeit. Bald darauf flammten in den Grenzgebieten zwischen Somalia, Äthiopien und Sudan Bürgerkriege auf. Die Flüchtlingsstadt Dadaab ist ein Zeugnis dieser Geschichte. Dadaab bedeutet, die Stadt der Verlorenen, sie ist heute zu einer Großstadt herangewachsen, bevölkert von Flüchtlingen.

Die Green Belt Bewegung

Zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft war Kenia zu einem Drittel von Wald bedeckt. Durch Abrodung und intensive Landwirtschaft wurde ein Großteil des Waldes zerstört. Einstmals fruchtbare Gebiete wandelten sich zu Steppen. Deshalb begann vor zwanzig Jahren die „Green Belt“ Bewegung, die sich die Wiederaufforstung Kenias zur Aufgabe machte. Vorreiterin dieser Umweltbewegung war Wangari Mathaai, genannt die Unbeugsame. Sie leistete Widerstand gegen die Abholzung der Wälder und ermutigte Frauen aus ihrem Umkreis, Bäume zu pflanzen. Ihre Aktion gab den Anstoß zu einer weltweiten Bewegung, um Wälder zu retten und fruchtbares Land zu erhalten.

Mehr über das Leben von Wangari Mathaai findest du in ihrer Autobiograpie Afrika. Mein Leben. Erinnerungen einer Unbeugsamen.