Die Bakongo und das Königreich Kongo
Die Bakongo waren die Gründer des ehemaligen Königreiches Kongo, das vom frühen Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert währte. Ihr Lebensraum erstreckte sich von der Republik Kongo nach Gabun und der Demokratischen Republik Kongo. Ethnologen vermuten, dass sie zu den Gründervölkern der Bantu zählen, die vor Jahrtausenden den afrikanischen Kontinent besiedelten.

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Die Mehrzahl der Bankongo lebte in Dörfern, betrieb Landwirtschaft und verwaltete sich selbst. Mehrere Familiengruppen lebten in einem Dorf, sie besassen und nutzten das umliegende Land gemeinsam. Auf den Versammlungsplätzen der Dörfer stand ein Gemeinschaftshaus samt einer hölzernen Trommel, deren Klang die Bewohner zusammenrief oder Botschaften an andere Dörfer weitergab. Auf den Dorfplätzen wurden Rechtsstreitigkeiten durch den Dorfvorsteher beigelegt, der auch das Richteramt inne hatte.
Ab dem 16. Jahrhundert stand die Bevölkerung unter der Herrschaft der Portugiesen. Im 19. Jahrhundert wurde das Innere des Kongogebietes erforscht und die Bevölkerung unterjocht. Nachdem der Kongokönig zum christlichen Glauben übertrat wurde im Kongogebiet ein großer Teil der Bewohner missioniert und mußte den christlichen Glauben annehmen.
Als 1885 Europäische Mächte den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilten, verschaffte sich der belgische König einen großen Teil des Kongogebietes und machte es zu seiner Kolonie. Er errichtete eine Schreckensherrschaft über die Kongovölker. Die Bevölkerung wurde verpflichtet, eine bestimmte Menge an Kautschuk, Kleinvieh und Feldfrüchte abzugeben. Bei Nichterfüllung wurden grausame Strafen bis hin zur Verstümmelung verhängt. Während des Unabhängigkeitskrieges, der von Angola ausging, nahmen die Kongolesen an den Kämpfen gegen die europäischen Kolonialmächte teil.
Die traditionelle Gesellschaft begann sich zu verändern. In der Landwirtschaft wurde zwangsweise der Baumwollanbau eingeführt. Der zweite wichtige Bereich bildete die Industrialisierung. In den Gebieten um Katanga und im Kassaigebiet wurde mit dem Bergbau begonnen. In wenigen Jahrzehnten entstanden größere Städte. Heute leben mehr als 50 Prozent der Bakongo in Städten. Sie gehen den verschiedensten Berufen nach, insbesondere dem Handel. Die andere Hälfte ist in der landwirtschaftlichen Produktion beschäftigt, sie arbeiten als Bauern und Pflanzer auf industriell betriebenen Plantagen.

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Die Bakongo sind Christen, im angolanischen Teil sind die Baptisten stark vertreten. Viele haben ihre traditionelle Religion bewahrt. Diese kennt zwei Welten, die materielle und die spirituelle, die sich an gewissen Punkten überschneiden und zwischen denen die Ahnen vermitteln. Es gab eine elaborierte Grabkultur mit großen Gräbern aus Holz oder Stein. Zu ihrer traditionellen Religion gehören Ahnenkult und Totemismus. Auch Initiationsriten spielen noch eine große Rolle. Wie bei den meisten Völkern Zentralafrikas war auch bei den Bakongo die kunstvolle Bearbeitung von Rindenstoffen und die Schnitzkunst hoch entwickelt. Besonders ihre Schnitzkunst zählt zu den eindrucksvollsten Schöpfungen ihrer Kultur. Einer der bekanntesten Kongolesen ist der Schriftsteller Sony Labou Tansi, der mit seinem Roman Antipeople die Menschen aufgerüttelt hat.


