Liberia
Der westafrikanische Staat L
iberia ist aus dem Sklavenhandel entstanden. Nach dreihundert Jahren wurden die ersten afrikanischen Sklaven in die Freiheit entlassen. Mit der American Colonization Society startete ein einzigartiges Projekt, ehemalige Sklaven in ihr Ursprungsland zurück zu bringen. Küstenstreifen am Kap Mesurado im Gebiet des heutigen Liberia wurden angekauft und für die Ansiedlung vorbereitet. Erste Kolonien entstanden, aus denen sich später der Staat Liberia entwickelte. Das Land ist etwa ein Drittel so groß wie Deutschland und hat dreieinhalb Millionen Einwohner.
Lage und Landschaften

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Liberia ist ein Staat in Westafrika, er liegt am Atlantischen Ozean und grenzt an Sierra Leone, Guinea und die Elfenbeinküste. Das Land besteht zum größten Teil aus einer Hochebene mit tropischen Regenwäldern. Das Bergland hat eine Höhe von 300 bis 500 m über dem Meeresspiegel. An die 10 bis 50 km breite, sumpfige Küstenebene schließt sich eine bis zu 400 m hohe Plateaulandschaft an. Im Norden des Landes erhebt sich der Gebirgszug der Wologizi Mountains mit dem höchsten Berg des Landes, dem Mount Wuteve mit einer Höhe von 1.440 Metern. Im Nordwesten liegen die Mano-Hills, im Zentrum erstreckt sich das Bong Range. Das Land gehört zur tropischen Regenwaldzone, die etwa 60 Prozent des heutigen Staatsgebietes einnimmt.Ein reiches Netz an großen und kleineren Flüssen durchzieht Liberia Richtung Küste. Ihr Quellgebiet liegt an der Grenze zu Guinea. Der größte Fluss ist der Cavally, der allerdings nur einen Teil seines Einzugsgebietes in Liberia hat. Der warme Guineastrom an der Küste ist verantwortlich für Sedimentablagerungen und sorgt für ein günstiges Klima. An den Küsten gedeihen Mangrovenwälder.
Klima
Das Land liegt in Äquatornähe und hat ein immerfeuchtes Klima. Der Golf von Guinea beschert in Küstennähe ein tropisch warmes Klima mit 32 ° Jahresdurchschnitt.
Monrovia – Hauptstadt eines freien Landes
Die Hauptstadt Liberias ist Monrovia. Die Hafenstadt liegt am Mündungsarm des Saint Paul River in den Atlantik. Sie war einst Handelsstützpunkt der Portugiesen und entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Knotenpunkt im Seeverkehr. Die Stadt wurde 1822 gegründet und Monrovia genannt, zu Ehren des amerikanischen Präsidenten James Monroe, einem Unterstützer der Ansiedelung ehemaliger Sklaven in Afrika.

whiteafrican – Excel23 CCBY-SA 4.0
Die Stadt und vor allem ihr Straßennetz wurde nach dem Muster amerikanischer Städte angelegt. Hier befindet sich der Regierungssitz sowie der Sitz bedeutender Institutionen, Universitäten und der Sitz zahlreicher diplomatischer Vertretungen. Die wichtigsten Industrien des Landes sind hier angesiedelt, diese bestehen in der Zementproduktion, Ölraffinierung, Lebensmittelherstellung, Ziegel- und Möbelproduktion sowie in der Chemikalienerzeugung. In der Nähe der Stadt befindet sich der internationale Flughafen von Monrovia. Der große und modern ausgebaute Seehafen ist das wirtschaftliche Standbein der Stadt. Heute leben mehr als 1,7 Millionen Menschen in Monrovia.
Völker und Sprachen

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Liberia hat eine besondere Regelung bezüglich der Staatsbürgerschaft: Nach Artikel 27 der liberianischen Verfassung dürfen nur Schwarze die Staatsbürgerschaft erlangen. Die von Afroamerikanern abstammende Bevölkerungsschicht, die auch „Amerikoliberianer“ genannt werden, macht nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung Liberias aus, doch sie bestimmt über die Geschicke des Landes. Die angestammten Völker bestehen aus zwei großen Ethnien. Die eine Gruppe gehört zu den Mandevölkern, von denen die Kpelle und die Mano die bekanntesten sind. Die zweite Gruppe bilden die Völker der Kwa, darunter die Bassa, die Mandingo und die an der Küste siedelnden Kru, die über eine große seemännische Erfahrung verfügen. Englisch ist die Amts- und Verkehrssprache Liberias, dabei handelt es sich um eine Art Pidgin Englisch, eine Mischung aus Englisch und zahlreichen Lehnworten aus einheimischen Sprachen. Daneben sprechen die einheimischen Völker ihre eigenen Sprachen.
Schulen, Bildung und Universitäten
Nach den langen Bürgerkriegsjahren versuchen die jungen Liberianer, Schulbildung und Universität nachzuholen. In Monrovia befinden sich mehrere Universitäten. Die Universitäten sind oft schlecht ausgestattet, studiert wird mancherorts bei Kerzenlicht wie in diesem Seminarraum links im Bild. Da ist Improvisation gefragt.

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Die Bildung von Frauen wird besonders gefördert. Doch die Voraussetzungen zum Studium sind auch zehn Jahre nach Ende des Bürgerkrieges noch nicht sehr gut. So kam es, dass bei den Abschlussprüfungen einer liberianischen Universität vor zwei Jahren ein ganzer Jahrgang durchfiel.
Pflanzen und Tiere
Liberia ist einer der Biodiversitäts-Hotspots in Afrika. In den Regenwäldern des Landes werden immer wieder neue Arten entdeckt. Die Nationale Naturschutzbehörde listet das Vorkommen von 2200 Pflanzenarten, 193 Säugetierarten und 576 Vogelarten. In Liberias Tropenwäldern wachsen Mahagoni- und Kautschukbäume sowie verschiedene Palmenarten. In den Regenwäldern leben alle Arten von Reptilien, Skorpione, Schlangen, Affen und Schimpansen, Waldelefanten und Waldbüffel.

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Besonders zahlreich vertreten sind die Reptilienarten, darunter Krokodile, ebenso eine Vielzahl mehr oder weniger giftiger Schlangenarten sowie Skorpione und Eidechsen. Artenreich sind auch die Vogelarten, Insekten und Fledermäuse. In den Flüssen leben Nilpferde und Krokodile, in den Savannen kann man Antilopen, Löwen, Leoparden und andere Bewohner der Savanne beobachten. Der Sapo Nationalpark im Südosten bildet das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet des Landes, er ist die Heimat für eine besonders vielfältige Flora und Fauna, darunter Waldelefanten, Schimpansen und verschiedene, seltene Antilopenarten.
Geschichte
Die früheste Besiedelung des heutigen Liberia setzte in der späten Jungsteinzeit ein. Aus dem Norden wanderten Völker ein, die die wildreiche Savanne in der Nimba-Region als Jagdrevier nutzten. 16 verschiedene Völker siedelten in dem Gebiet als es dem britischen Koloialreich einverleibt wurde. 1822 kaufte der amerikansiche Kolonisationsverein einen Küstenstreifen an der Westküste Afrikas und siedelte freigelassene afrikanische Sklaven dort an. Die einstigen Sklaven waren politisch gebildet und formierten sich bald zu einer neue Elite. Sie taten, was sie von ihren einstigen Beherrschern gelernt hatten. Sie nahmen die fruchtbarsten Gebiete für sich in Anspruch und beuteten die in dem Gebiet seit Urzeiten ansässigen Völker aus. Die ersten Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung entflammten. 1847 wurde Liberia ein unabhängiger Staat und war damit der erste unabhängige Staat Afrikas. Doch trotz des neuen Status dauerten die Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger Sklaven und den ansässigen Völkern an.
Die koloniale Vergangenheit von Liberia
Die europäischen Kolonialmächte versuchten das Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Nach der Berliner Konferenz 1881, bei der die neue Aufteilung Afrikas beschlossen wurde, erhielt Frankreich Teile des Landes als Protektorat. Doch die USA verhinderten, dass Frankreich das Land vollständige vereinnahmte. Die afrikanische Bevölkerung erhielt 1904 Bürgerrechte und 1907 das Wahlrecht. Nun w ar es Amerika, das sich wirtschaftlich die Kontrolle über das Land sicherte. US Firmen durften für 99 Jahre Teile des Staatsgebietes als Gummiplantagen nutzen. Liberia wurde zur größten Kautschukplantage der Welt und war abhängig von den Preisen, die der internationale Markt für Kautschuk diktierte. Als die Preise stiegen, kam es zu landesweiten Demonstrationen. Im Jahr 1980 übernahm Hauptfeldwebel Samuel K. Doe nach einem Militärputsch die Macht. Doe konnte die neue Elite der Afroamerikaner und die einheimischen Völker Liberias nicht zu einem Frieden führen. Doe wurde neun Jahre später abgesetzt und getötet. Es folgte ein 14 Jahre währender Bürgerkrieg unter dem Diktator Charles Taylor. Auslöser der Kriege waren ethnische Konflikte zwischen verschiedenen Volksgruppen sowie Kämpfe um politische Macht und Rohstoffe. Die muslimische Volksgruppe der Mandingos wurde diskriminiert, es kam zu Vertreibungen, Kirchen und Moscheen wurden angezündet. Mehr als 270.000 Menschen starben, mehr als 450.000 Menschen flüchteten aus dem Land.
Eine breite Bewegung von Frauen aus allen Völkern, Schichten und Religionsgemeinschaften solidarisierte sich und legte die Regierung lahm. Mit viel Phantasie und Strategie zwangen sie die kriegerischen Parteien an den Verhandlungstisch. Nachdem der Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, musste Präsident Taylor das Land verlassen.
Liberia heute

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2005 fanden die ersten freien Wahlen statt, aus denen Ellen Johnson-Sirleaf als erste frei gewählte Präsidentin Afrikas hervorging. 2011 erhielt Ellen Johnson-Sirleaf gemeinsam mit ihrer einstigen Mitstreiterin, der Liberianerin Leymah Gbowee und der libanesischen Journalistin Tawakkul Karman den Friedensnobelspreis. Für die Liberianerinnen gilt, dass ihnen eine Friedensstiftung in einem Staat gelang, der künstlich entstanden war und die Last der unseligen Geschichte des Sklavenhandels auszufechten hatte. Von 2006 bis 2018 war Ellen Johnson-Sirleaf Präsidentin. Die Präsidentschaftswahlen 2017 gewann George Weah. Dieser Wechsel gilt als der erste demokratische, friedliche Machtwechsel in dem afrikanischen Land.
Die Folgen der Bürgerkriege prägen das heutige Liberia. Die meisten Geflüchteten sind mittlerweile zurückgekehrt, doch die Menschen und die Wirtschaft leiden weiter unter den Folgen der Kriege. In weiten Teilen der Bevölkerung herrscht Armut, die Kriminalität ist hoch. Viele Menschen in Liberia leben von der Landwirtschaft, doch eine kleine Minderheit kontrolliert weite Teile des Handels.


