Kamerun
Kamerun liegt in Zentralafrika am Golf von Guinea und erstreckt sich vom Atlantischen Ozean bis zum Tschadsee. Kamerun wird oft als „Afrika in Miniatur“ bezeichnet aufgrund seiner immensen geografischen und kulturellen Vielfalt. Das Land vereint Strände, Wüsten, Savannen, Regenwälder und den 4.040 Meter hohen Mount Cameroon, den höchsten Vulkan Westafrikas.
Lage

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Kamerun liegt in Zentralafrika, am Atlantik. Mit seiner Landesfläche von 475.442 km² ist es etwa eineinhalb Mal so groß wie Deutschland. Es grenzt im Norden an den Tschad, im Osten an die Zentralafrikanische Republik, im Süden an die Republik Kongo, Gabun und Äquatorialguinea sowie im Westen an Nigeria. Kamerun verfügt über mehrere große Städte, darunter Yaoundé, die politische Hauptstadt, und Douala, das wirtschaftliche Zentrum. Kamerun hat rund 28 Millionen Einwohner. Die Vergangenheit als Kolonie und die britisch-französische Teilung prägen das Leben der Menschen bis heute. So sind auch die Amtssprachen Englisch und Französisch ein klares Erbe der Kolonialzeiten. Die Küste liegt am Golf von Guinea. Im Süden, in Äquatornähe wachsen einige der ursprünglichsten Regenwälder Afrikas.
Landschaften
Kamerun wird Afrika im Kleinen genannt wegen der vielen, verschiedenartigen Landschaften. Kamerun ist in 10 Regionen unterteilt, die landschaftlich sehr unterschiedlich sind. Am dichtesten besiedelt sind das Grasland in der West- und Nordwest-Region, die Küstenregion um die Hafenstadt Douala und das Gebiet um die Hauptstadt Yaoundé. In den nördlichen Trockensavannen rund um den Tschadsee ist es trocken und heiß. Menschen und Tiere leiden unter häufigen Dürreperioden. Das Landesinnere ist geprägt von einer Hochebene. Im Hochland vollzieht sich der Wechsel von den Savannen des Nordens zum Regenwald im Süden. Kamerun verfügt über die zweitgrößte Waldfläche Afrikas. Im Westen erstreckt sich vulkanisches Gebirge mit dem höchsten Berg Westafrikas, dem Kamerunberg.

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Das Bergland gehört zu den regenreichsten Gebieten der Welt. Hier finden sich viele geheimnisvolle Seen wie der Bosumtwisee und der Nyos See. Auf dem Foto oben siehst du den Rhmsiki Peak, der im Mandara Gebirge aufragt. Die Umgebung wird als besonders romantisch beschrieben. Für André Gide war dieses Gebiet eines der schönsten der Welt. Die Küste liegt im Südwesten des Landes. Hier leben die Sawa, die Menschen des Wassers. Am Atlantik erstrecken sich wunderschöne Sandstrände. Die Küstenstädte bestechen durch ihre koloniale Architektur und Denkmäler. Die Manenbouga-Berge und der Ekom-Mkam Wasserfall befinden sich ebenfalls in dieser Küstenregion.
Das Geheimnis des Nyos Sees
Tiefblau, 200 Meter tief und inmitten von grünen Hügeln gelegen: Der in Kamerun zählt zu den schönsten in Zentralafrika – und zu den gefährlichsten der Welt. Denn vor fast 30 Jahren war er verantwortlich für den Tod von 1700 Menschen. Am 21. August 1986 kam es zu dem tragischen Ereignis: Menschen sind leblos umgefallen, Ziegen, Schafe und Rinder brachen tot zusammen. Auslöser dieser Tragödie waren 1,6 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid, die aus der Tiefe des Sees an die Oberfläche drangen und in zwei nahe gelegene Täler strömten. Das Gas verbreitete sich fast 30 Kilometer weit. Wie es zu dem Unfall kam, ist bis heute ein Rätsel.

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Der See liegt in einem Vulkankrater. Wissenschaftler vermuten, dass es ein kleines Erdbeben gegeben haben könnte. Um einer erneuten Katastrophe vorzubeugen, wurde am See ein Entgasungsprogramm installiert sowie eine Stau-Mauer errichtet. Allerdings sind sich Forscher nicht sicher, ob diese Vorkehrungen auch einer zukünftigen Katastrophe standhalten.
Jaunde – die Hauptstadt von Kamerun
Jaunde ist die Hauptstadt von Kamerun. Die Stadt wurde einst von einem deutschen Forschungsreisenden als Zentrum des Elfenbeinhandels gegründet.

Ruediger Nassauer gemeinfrei
Die Stadt liegt in der Mitte des Landes, zwischen sieben Hügeln. Heute leben dort mehr als eine Million Menschen. Das Leben in Jaunde spielt sich auf den Straßen ab. Es gibt bunte Märkte und Geschäfte, öffentliche Schreibwerkstätten und Kneipen. Die Internetcafés heißen Cybers, die Nutzung des Internets ist allerdings noch sehr teuer. Auf einem der sieben Hügel liegt der prächtige Palast des Präsidenten, links auf dem Foto zu sehen. Jaunde ist Regierungssitz von Kamerun.
Lesenswert: Hundezeiten von Alain Patrice Nganang. In diesem furiosen Roman findest du alles, was du über Jaunde und seine Bewohner wissen musst, denn diese Art Reiseführer wird aus der Sicht eines Kneipenhundes erzählt.
Völker und Sprachen
Egal, ob du mit dem Bus, dem Zug oder dem Boot unterwegs bist, überall wirst du Hühner gackern hören. In geflochtenen Körben tragen die Kameruner lebende Hühner mit sich. Denn ein Hahn gilt als traditionelles Gastgeschenk in Kamerun. Kamerun ist der Schmelztiegel Afrikas. Das liegt daran, dass sich in Kamerun die Handelsrouten von Westafrika mit den südlichen Handelsrouten kreuzen. Im Lauf der Jahrhunderte drängten zahlreiche Völker in das Gebiet. Es waren Handelsvölker aus dem Sudan, die von der Sahara in den Süden vordrangen und Bantuvölker aus dem Süden. Ihr Ziel war der Atlantik, das Tor zur Welt.

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Gegenwärtig leben mehr als 200 Völker in Kamerun. Viele Kameruner sprechen englisch oder französisch, denn Kamerun war vor mehr als hundert Jahren eine Kolonie von Engländern und Franzosen. Auch Deutschland beanspruchte zeitweise ein Gebiet als Kolonie. Trotz der europäischen Vorherrschaft haben sich die afrikanischen Sprachen erhalten. Im Norden ist das Hirtenvolk der Fulbe beherrschend. In der Mitte Kameruns leben die Bamileke, Händler, Bauern und Kaufleute. Im Süden, an der Küste siedeln die Duala. Zu den ältesten Bewohnern der Regenwälder von Kamerun zählen die Pygmäen. Sie leben als Sammler und Jäger. Mehr über die Pygmäen
Tiere und Pflanzen
Aufgrund der großen landschaftlichen Vielfalt des Landes bietet Kamerun eine außergewöhnlich reiche Tierwelt. Die Artenvielfalt ist im Norden von Kamerun besonders reich, hier kann man in den Tierreservaten noch auf Elefanten, Giraffen, Leoparden, Büffel und verschiedene Antilopenarten treffen. Bemerkenswert sind die vom Aussterben bedrohte Riesen-Elenantilope mit den großen, eingedrehten Hörnern sowie die farbenprächtige Bongo-Antilope. Charakteristisches Merkmal sind die weißen Streifen auf dem rostbraunen Fell. Große und kleine Säugetiere, Reptilien und Insekten leben in den tropischen Wäldern von Kamerun. Der dichte Regenwald ist die Brutstätte vieler Vögel und Amphibien. Die gefährliche Königskobra lebt hier und alle Arten von Chamäleons. In den Savannen und Wäldern kann man die schillerndsten Schmetterlinge beobachten. Entlang der Grenze zu Nigeria wurde der Takamanda-Nationalpark eingerichtet, um die vom Aussterben bedrohten Gorillas zu schützen. Eine der spektakulärsten Tierarten in den tropischen Wäldern Kameruns sind die Waldelefanten, die man auf den Waldlichtungen der Nationalparks beobachten kann. Sie sind die kleineren der beiden Vertreter der Familie der Afrikanischen Elefanten. Mehr über die Tiere der Regenwälder auf afrika4teens.de
Wirtschaft und Export
Wirtschaftlich stellt das Land die führende Kraft innerhalb der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (CEMAC) dar. Kamerun gehört zu den ersten fünfzehn afrikanischen Volkswirtschaften und trägt 2 % zum BIP des Kontinents bei. Die kamerunische Wirtschaft hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen deutlichen Aufschwung erlebt. Dieser Aufschwung war hauptsächlich gestützt durch vermehrte öffentliche Investitionen, die Entwicklung der Rohstoffindustrie wie Eisen und Gas, die Inbetriebnahme strategischer Infrastrukturen im Energie- und Verkehrsbereich sowie die Errichtung von Rohstoffverarbeitungsanlagen.
Trotz der beschleunigten Entwicklung im Bereich Infrastruktur und Industrie bleibt die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes mit über 40 Prozent, gefolgt vom Dienstleistungsbereich, ebenfalls mit etwa 40 Prozent, und der industriellen Fertigung mit nicht einmal ganz 20 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt.

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Landwirtschaftlich ist Kamerun ein reiches Land. Es werden Kaffee, Kakao und Baumwolle angebaut, sowie Zuckerrohr und Hirse. Die Holzwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, leider zu Lasten der Regenwälder. Die Abholzung der Wälder bedroht die Existenz der Waldvölker, und sie trägt zum globalen Klimawandel bei.
Im industriellen Sektor finden sich vor allem Lebensmittel verarbeitende Industrien, die Bauwirtschaft sowie wie die Rohstoffindustrie. Allerdings stellt die Energieknappheit die größte Bremse der Wirtschaftsentwicklung dar. Im Dienstleistungsbereich boomen Telekommunikationsbranche, Transportwesen und Finanzdienstleistungen.
Wer braucht Bio-Dieselöl?
Seit 2005 stieg Kamerun verstärkt in die Biodieselproduktion mit Ölpalmen ein. Konkrete Zahlen zum Umfang werden unter Verschluss gehalten, wohl auch deshalb, weil die Palmölproduktion bereits für den Eigenverbrauch, d.h. für Speiseöl- und Seifenherstellung, nicht ausreicht.
Was Zivilgesellschaften erreichen können
Im Agrarbereich kam es 2004 zu einem seltenen Beispiel der Änderung einer Gesetzesbestimmung durch erfolgreichen Druck der Zivilgesellschaft. Auf Grund intensiver Öffentlichkeitsarbeit der Initiative ACDIC, die von Bürgerbewegungen in Kameruns Städten ausging, musste die Regierung den Import gefrorener Hähnchenteile aus Europa beschränken.
Transport und Verkehr
Bei Douala und Jaunde gibt es internationale Flughäfen, die von europäischen Fluglinien angeflogen werden. Bahnverbindungen bestehen zwischen allen großen Städten Kameruns, auch das Straßennetz ist besser ausgebaut als in anderen zentralafrikanischen Staaten. Im öffentlichen Personennahverkehr werden hauptsächlich Sammeltaxis und Motorräder eingesetzt. Die Verkehrsregeln sind den französischen Verkehrsregeln angepaßt, aber kaum ein Kameruner richtet sich danach. Linienbusse sind so gut wie nicht vorhanden.
Bildung und Kultur
An zahlreichen Schulen und auch an einigen Universitäten wird deutsch unterrichtet, nach Spanisch ist deutsch die wichtigste Fremdsprache an kamerunischen Schulen. Neben sieben staatlichen Hochschulen sind private Universitäten und Kunsthochschulen für eine wachsende Zahl von Studentinnen und Studenten attraktiv.

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Die kamerunische Kulturszene spielt sich hauptsächlich in den beiden Metropolen Jaunde und Douala ab. In Jaunde findet das FENAC Festival National des Arts et de la Culture (FENAC) statt. Dieses Festival feiert die Kulturen der zehn Regionen des Landes.
Das Goethe-Institut Kamerun ist ein wichtiger Initiator für kulturelle Events. Von überregionalem Rang ist das Zentrum für zeitgenössische Kunst „Doual’Art“ in Duala, das alle drei Jahre ein Festival für Kunst im öffentlichem Raum veranstaltet.
Musikalische und literarische Inspiration kommt aus den Nachbarländern und aus Frankreich. Im Bereich der Musik sind Manu Dibango, Richard Bona und Charlotte Dipanda bekannt, aber auch in moderner Malerei und Plastik (Emk’al, Pascal Marthine Tayou, Hervé und Emile Youmbi u.a.) sowie in der Literatur arbeiten kamerunische Künstler wie Mongo Beti oder Alain Patrice Nganang auf internationalem Niveau.
Was unternehmen Kameruner in der Freizeit?
Fußball ist das beliebteste Spiel in Kamerun, jeder Junge will irgendwann bei den Lions Indomptable, den unbezähmbaren Löwen spielen. Auch der Frauenfußball hält immer mehr Einzug in die Fußballclubs.

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Kinder und Erwachsene spielen Kalaha, ein Brettspiel, das man mit getrockneten Bohnen oder bunten Glaskugeln spielen kann. Man muss sehr geschickt sein, um die Kugeln in sein Feld zu bringen, doch die Spielregeln sind einfach. Man kann es auch im Sand spielen, das macht es so beliebt.
Feste in Kamerun
Der Staat in Zentralafrika feiert jährlich am 20. Mai seinen Nationalfeiertag. An diesem Tag ist das ganze Land auf den Beinen. Den Höhepunkt bildet eine Parade in der Hauptstadt Jaunde. Etwa die Hälfte der Kameruner sind Christen. Deshalb werden die wichtigsten christlichen Feste gefeiert wie Weihnachten. Daneben werden islamische gefeiert und traditionelle afrikanische Feste.
In der Bamileke-Region findet alle zwei Jahre das farbenprächtige Nguon-Festival statt, zu dem viele Touristen kommen. Es dient der Pflege von Kultur, Geschichte und Tanz sowie der Rechenschaftspflicht des Königs gegenüber seinem Volk. Seit 2023 ist das Nguon-Fest als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO anerkannt.
Geschichte
Die Ureinwohner der Regenwälder Kameruns waren seit Jahrtausenden die Pygmäen. Aus dem Kongobecken wanderten im Zuge der großen, afrikanischen Völkerwanderung Bantus ein und besiedelten die Flüsse und Küsten. Portugiesische Seefahrer landeten im 15. Jahrhundert an der Küste Kameruns. In dem Fluss Wouri fanden sie Unmengen von Krabben. Deshalb nannten sie den Fluss und das Gebiet um den Fluss „Camaroes“. Seitdem heißt das Land Kamerun. Zu dieser Zeit herrschten hier die Douala Könige. Die Europäer trieben Handel mit den afrikanischen Herrschern. Sie erwarben Zuckerrohr und Elfenbein, später kam Palmöl hinzu. Der Sklavenhandel spielte nie so eine große Rolle wie in der Elfenbeinküste oder in Ghana. Mehr über Kameruns Geschichte
Kamerun heute
Kamerun ist eine präsidiale Republik und wird seit mehr als zwanzig Jahren von Präsident Paul Biya autokratisch regiert. Das Regime geriet durch seine Wahlaffairen und die hohe Bestechlichkeit immer wieder in die internationale Kritik. Laut Reporter ohne Grenzen hat Kamerun vielfältige aber für Einflussnahme anfällige Medien. Obwohl die Zensur längst abgeschafft ist, versucht die Regierung massiv, die Medien unter Druck zu setzen. Unerwünscht sind etwa kritische Berichte über die Armee, über Korruption oder über Sezessionsbestrebungen.

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Die Arbeitslosikeit ist hoch, junge, gutausgebildete Menschen finden oft keine angemessene Anstellung. Deshalb kommt es immer wieder zu Protestaktionen und Aufständen. Dabei ist das Land reich an Bodenschätzen und Rohstoffen. Die Menschen Kameruns müßten wohlhabend sein, doch viele Familien sind tatsächlich arm, auch wenn sie arbeiten. Das durchschnittliche Einkommen betrug 2015 1.330 US Dollar im Jahr, im Monat muss eine Familie mit etwa 110 US Dollar auskommen. Damit kommt sie kaum zurecht, geschweige denn kann sie für alle Kinder eine gute Ausbildung finanzieren. Kamerun ist im Wandel begriffen. Die Mehrheit der jungen Bevölkerung kämpft für eine gerechte Verteilung des Wohlstandes und für mehr Demokratie. Trotz der trüben Zukunftsaussichten sind die Kameruner bekannt für ihre Lebensfreude, Gastfreundschaft und ihren Humor.
Das Foto oben zeigt den Eingang zur Bibliothek Librairie des Peuples noirs. Im Vordergrund sind Bücher des kamerunischen Schriftstellers Mongo Beti gestapelt. Zu seinem umfangreichen Werk gehören u.a. die Romane „Mission terminee“ (Besuch in Kala) und „L’Histoire du fou“. Er war eine wichtige Stimme im Widerstand gegen den Neokolonialismus und trat für die kulturelle Selbstbestimmung des Landes ein.


