12. Oktober 2021

Wir gratulieren Abdulrazak Gurnah!

Der Literaturnobelpreis geht dieses Jahr an den tansanischen Schriftsteller Abdulrazak Gurnah. Die Schwedische Akademie lobte seine „kompromisslose und mitfühlende Darstellung der Folgen des Kolonialismus“. Nicht ohne Grund erhält Gurnah dieses Jahr die wichtigste Auszeichnung in der Literatur. Die Zeit des Kolonialismus ist noch längst nicht aufgearbeitet, wie die jüngsten Unruhen in den USA und Europa und die Black Lives Matter Bewegung zeigen.

Abdulrazak Gurnah – PalFest Flickr

Abdulrazak Gurnah hat zehn Romane und einige Kurzgeschichten veröffentlicht. Sein bekanntester Roman „Das verlorene Paradies“ (1994) spielt im kolonialen Ostafrika während des Ersten Weltkriegs. Der Roman war für den renommierten Booker Prize nominiert und wurde kurz nach Erscheinen ins Deutsche übersetzt.

Er erhält den Preis „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“, wie der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, bei der Bekanntgabe sagte.

Der 73-Jährige Autor wurde auf Sansibar geboren und lebt seit dem Ende der sechziger Jahre in Großbritannien. Er unterrichtete an der Universität Kent in Canterbury.  „Wir sind absolut begeistert, dass unserem ehemaligen Dozent Abdulrazak Gurnah der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde – das ist wirklich inspirierend“, twitterte die Hochschule.

Mehr über „Das verlorene Paradies“

13. Mai 2021

Afrika in Zeiten von Corona

Viren kennen keine Grenzen. Dank später Warnungen und weltweit halbherziger Gegenmaßnahmen griff die Epidemie ausgehend von Wuhan auch früh auf den afrikanischen Kontinent über.  Bisher kamen fast alle Länder Afrikas gut durch die Corona Pandemie. Laut dem Africa Center for Strategic Studies konnten die schlimmsten Auswüchse der Pandemie verhindert werden. Dank strikter Gegenmaßnahmen wie Lockdowns, verschärfte Hygienekonzepte und Maskenpflicht verliefen die ersten beiden Wellen glimpflich.

 

Raphaël Dunant, Gajmar Corona-Infektionen / pro 1000 Einwohner, Mai 2021 ccbysa4.0

Wenige Infektionen trotz geringer Impfquote

In Südafrika war bereits über die Hälfte der Bevölkerung infiziert, als sich  ab Dezember eine besonders infektiöse Mutante des Virus verbreitete. Das Land verzeichnete die höchsten Infektionszahlen mit einem Drittel aller in Afrika gemeldeten Infektionen und fast der Hälfte der Todesfälle. Trotz Sommerzeit auf der südlichen Halbkugel waren die Strände in Kapstadt und anderen Küstenstädten leergefegt.

 

Kapstadt, Bluebergstrand – Danie van der Merwe ccbysa2.0

 

Im Spätsommer entschloss man sich zur Öffnung, die Menschen gingen wieder an den Strand, besuchten die Restaurants und genossen das Clubleben. Stand heute liegen die Inzidenzwerte Südafrikas auf mitteleuropäischem Niveau, das gilt auch für Tunesien, Botswana und Namibia. Im übrigen Afrika liegen die Werte sogar niedriger laut dem Afrikanischen Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention.

Ist das südliche Afrika für den bevorstehenden Winter gerüstet?

Das südliche Afrika bereitet sich nun auf den Winter vor, der zwischen Mai und September kühle Temperaturen und Regen bringt – und vermutlich die dritte Welle des Corona-Virus. Wird genügend Impfstoff verfügbar sein? Ähnlich wie in Europa wurde auch in Südafrika die Beschaffung von Impfstoffen nur halbherzig angegangen. Obwohl dort vier Impfstoffe von globalen Pharmakonzernen getestet wurden. Nun geht ein Wettlauf um Astra-Zeneca und andere Impfstoffe los.

Ein Weltimpfprogramm ist gefragt

Die Covax- Initiative der Weltgesundheitsorganisation ist alarmiert, denn der Winter auf der Südhalbkugel bringt auch zahlreiche Länder auf anderen Kontinenten in Bedrängnis. Denn solange die Bevölkerung dort nicht geimpft wird, können sich Mutationen bilden, gefährlichere vielleicht als die zuletzt aufgetretenen. Die Stimmen nach einem Weltimpfprogramm, bisher unterstützt von den USA und Deutschland, werden lauter. Daran sollten sich alle Nationen beteiligen, die dazu in der Lage sind.

Hat die Pandemie Afrika verändert?

Der Lockdown hat die Wirtschaft abgewürgt, das soziale Leben zum Erliegen gebracht und Menschen in Existenznot getrieben. Was für den Einzelnen daraus entstehen kann, schildert die nigerianische Autorin Oyinkan Braithwaite in ihrem Roman Das Baby ist meins, in deutscher Übersetzung erschienen im Aufbau Verlag.

Darum geht’s genau

17. April 2021

Der Earth Day und warum er ins Leben gerufen wurde

1970 wurde der erste Earth Day in den USA begangen. Laut National Geographic hungerte zur Zeit des ersten Earth Day ein Viertel aller Menschen auf der Erde. Etwa die Hälfte der Menschheit lebte in Armut. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Afrika betrug 45,6 Jahre. An Hungersnöten starben allein in Westafrika rund eine Million Menschen. Kriege, Revolten und Unruhen tobten im Kongo, Kenia, Äthiopien, Nigeria und den portugiesischen Kolonien. Eine Grippepandemie wütete in Asien und griff auf einen Teil der restlichen Welt über. Mehr als eine Million Menschen fielen ihr zum Opfer.

Der ausgebeutete Planet

Der Planet befand sich damals in einem schlimmen Zustand. Das Wasser der meisten großen Ströme war ungenießbar. Die Häfen erstickten in Abfällen. Bleihaltiges Benzin setzte giftige Dämpfe in hohen Mengen frei. 1972 erschien das Buch: Die Grenzen des Wachstums. Die Autoren machten deutlich, dass wir dabei sind, unseren Lebensraum zu zerstören. Die Welt hat seit 1970 Fortschritte gemacht: Wir haben mehr zu essen, leben länger, haben Zugang zu sauberem Wasser und zu Strom, doch um einen sehr hohen Preis, wie wir nun mehr als 50 Jahre danach erkennen müssen.

Der Earth Day 2021, ein bedrohter Planet

Die Umweltprobleme haben sich seit 1970 verändert, sie sind umfassender und komplexer geworden: Verlust an Biodiversität, Absinken der Grundwasser führenden Schicht, Übersäuerung der Meere, Abtragung der Böden, und der Klimawandel, das größte von allen Umweltproblemen. Diese Bedrohungen sind kaum sichtbar, aber ihre Effekte sind immens – und nur schwer aufzuhalten. Warum? Für Klimawandel gibt es wenige Bilder, die uns deutlich machen, wie zerstörerisch er für uns und den Planeten ist. Oder fällt dir spontan ein Bild ein? Afrika betrifft der Klimawandel besonders hart: Überschwemmungen an den Küstengebieten im Westen und Süden und große Dürren im Osten und in der Sahelzone. Andererseits liegen die größten Klimachancen in Afrika. Dort, wo die Sonne nahezu unbegrenzt scheint, können CO2-freie Energieträger wie grüner Wasserstoff und Methanol günstiger hergestellt werden als zum Beispiel in Europa. Laut  Entwicklungsminister Gerd Müller sind in Ländern wie Tunesien oder Südafrika solche Produktionsstätten geplant. Mit deren Bau würden auch moderne Arbeitsplätze geschaffen werden.

Global denken, lokal handeln

Wir können Umweltprobleme leichter lösen, wenn wir einen direkten Einfluss auf unser physisches Wohlbefinden haben. Im Fall von Luft- und Wasserverschmutzung hat die Verbesserung einen verstärkenden Effekt auf unser Verhalten. Doch viele Probleme, vor denen wir heute stehen, erscheinen weit entfernt und abstrakt wie der Klimawandel. Darum sind sie jedoch nicht weniger ernst und dauerhaft. Werden wir sie lösen können? Beginnen wir bei uns, in unserem Alltag gibt es tausend Möglichkeiten, klimabewusst zu leben: Wasser und Energie zu sparen, fleischreduziert ernähren, wenn fliegen, dann mit Kompensationszahlung, die Liste könnt ihr beliebig fortsetzen. Sehen wir den Klimawandel als Abenteuer, in dem jeder ein Held sein kann.

Buchtipp: Was, wenn wir einfach die Welt retten? Handeln in der Klimakrise. Frank Schätzing, Kiepenheuer & Witsch, Köln

Zur Erinnerung

Earth Day Every Day – Songtext von John Denver (1990 erschienen)

Celebrate morning
The cry of a loon on a lake in the night
the dreams that are born in the dawn’s early light
Celebrate morning
Celebrate living

The laughter that sings in the heart of a child
The freedom that flies at the call of the wild
Celebrate living
Celebrate evening
The stars that appear in the loss of the sun
Whispering winds, we are…

Zum Entdecken: Google Earth zeigt den Klimawandel im Zeitraffer

Gehe zu Google earthengine unter

https://earthengine.google.come/timelapse/

Mit seiner Timelapse-Funktion zeigt Google Earth die Veränderungen der Oberfläche der Erde im Zeitraffer,  in die dreidimensionale Ansicht des Globus integriert. Satellitenbilder der letzten 37 Jahre wurden dafür ausgewertet und stehen als interaktives „4D-Erlebnis“ bereit. Was ist in dieser Zeitspanne in Afrika geschehen? Bespiel Madagaskar: Sieh die Zerstörung der Wälder zwischen den Küstenstädten Toliara und Saint Augustin an der Westküste der Insel sowie entlang dem Onilahy Fluss. Du erkennst so, dass in dieser kurzen Zeit aus einer einstmals grünen Fläche ein ödes, verstepptes Gebiet geworden ist.

In Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien, sieht es nicht viel besser aus.

https://developers.google.com/earth-engine/timelapse/videos

 

 

21. März 2021

Internationaler Tag gegen Rassismus 21. März 2021

Zur Erinnerung an das Massaker von Sharpeville in Südafrika 1960 wird am 21. März der Internationale Tag gegen Rassismus veranstaltet. Der Gedenktag wurde 1966 von der UNO ausgerufen. Knappe 60 Jahre danach stellt sich die Frage, was der Gedenktag bisher verändert hat.

Ein Blick zurück in das Südafrika zu Zeiten der Apartheid

Der Friedhof von Sharpville mit Gräbern der Opfer des Massakers, Andrew Hall ccbysa 4.0

In Südafrika herrschte 1960 eine weiße Minderheitsregierung, die mit der Politik der Apartheid die Rechte der schwarzen Bevölkerung massiv einschränkte. In Sharpeville fanden sich rund 200.000 Menschen zusammen, um gegen das Apartheid-Regime zu demonstrieren. Trotz der gewaltfreien und friedlichen Protestaktion eskalierte die Situation und es kam zu ersten Schüssen der Polizei. Die in Panik fliehenden Demonstranten wurden weiterhin von der Polizei beschossen. 69 Menschen verloren ihr Leben, hunderte wurden teils schwer verletzt. Der Gedenktag hat den Rassismus in Südafrika oder anderswo in der Welt nicht beendet. Aber er war einer der Bausteine, der das rassistische Regime in Südafrika zu Fall brachte.

Was geschieht in Südafrika heute?

Auf der einen Seite ist seit Abschaffung der Apartheid in der „Rainbow“-Nation viel erreicht worden. Doch in einer Generation sind die enormen Schäden, die durch das weiße Regime unter den Völkern des Landes angerichtet wurden, nicht zu bereinigen. Die ungleiche Verteilung der Reichtümer des Landes hat die Armut im Land verschärft. Gleiche Bildungschancen für alle ist noch Zukunftsmusik, und die politischen Ämter sind nicht für alle gleich zugänglich. Hinzu kommt nicht zuletzt die Wirtschaft. Unter den börsennotierten Firmen Südafrikas werden nach neuesten Erhebungen 78 Prozent von weißen Männern geleitet.

 

Starke Netzwerke gegen Rassismus

Durch seine Geschichte ist Südafrika besonders bestrebt, rassistischen Problemen auf demokratische Weise zu begegnen. Zu diesem Zweck wurde 2015 die Organisation ARNSA von der Ahmed Kathrada und Nelson Mandela Siftung gegründet. Heute befinden sich im Vorstand auch Angehörige des Instituts für Gerechtigkeit und Versöhnung und das Zentrum für die Förderung von Anti-Rassissmus und Demokratie. Eine Anzahl von anderen Organisationen in den verschiedenen Provinzen sind Teil des Netzwerkes geworden, um Rassismus innerhalb der Communities zu regeln sowie auf nationaler und internationaler Ebene gegen den weltweiten Rassismus einzutreten.

 

Solidarität kennt keine Grenzen

Auch heute ist dieser Gedenktag wichtig, denn durch Armut, Kriege und Versäumnisse in der Klimapolitik werden Menschen vertrieben und flüchten in andere Länder und Kontinente, wodurch Rassismus und die damit verbundenen Fragen von kultureller und religiöser Akzeptanz neu befeuert werden. Das Motto des Gedenktages 2021: Solidarität. Grenzenlos. Ist es das richtige Motto für diesen Gedenktag in Zeiten der Corona-Pandemie? Das Corona-Virus verbreitet sich nicht nach rassistischen Prinzipien, aber die Verteilung des Mittels gegen das Virus ist nicht frei von rassistischen Voreingenommenheiten. Noch wird in Afrika wenig geimpft. Die ärmsten Länder im südlichen Afrika stehen am Ende der Warteschlange, wie Ärzte ohne Grenzen vermelden. Wenn ein Gedenktag etwas verändern kann, dann bitte auch in punkto Gesundheitsvorsorge und Überleben aller.