2. Juni 2019

Ein Foto schreibt Geschichte

(c) Sam Nzima

Der 16. Juni wird weltweit als Tag des afrikanischen Kindes begangen. Es ist ein besonderes Datum. Am 16. Juni 1976 bekam der Fotograf Sam Nzima den Auftrag, für die von Schwarzen herausgegebene südafrikanische Zeitung „The World“ über eine Demonstration in Soweto zu berichten. Soweto war die größte Township im Südwesten von Johannesburg. Eine Anordnung des Apartheid-Regimes sorgte seit Wochen für wachsenden Unmut unter den eineinhalb Millionen schwarzen Bewohnern. Auf dem Foto links ist Sam Nzima vor seinem berühmten Foto vom Schüleraufstand in Soweto.

Warum demonstrierten die Schüler von Soweto?

Der Unterricht in den Schulen sollte künftig auch in Afrikaans gehalten werden, der Sprache der weißen burischen Elite. Die schwarze Mehrheit war zornig, einmal mehr wurde sie deklassiert und benachteiligt. Die Schüler von Soweto gingen auf die Straße und demonstrierten gegen die neue Verordnung. In der Presse war bekannt geworden, dass die Polizei im Ernstfall auch Schusswaffen einsetzen würde. Jeder, der an diesem Tag eine Kamera hatte, war auf den Beinen, um Zeuge des Geschehens zu werden. Auch Sam Nzima. Zunächst verlief die Demo friedlich, die Schüler sagen den Song „Nkosi Sikelele“, der damals in Südafrika verboten war. Die Polizisten feuerten ziellos in die Menge, die Schüler liefen in Panik auseinander. Noch ein Schuß fiel, ein Junge stürzte tödlich verletzt zu Boden. Es war der 13jährige Hector Pieterson. Sam Nzima war vor Ort, er drückte auf den Auslöser und schoss mehrere Aufnahmen davon, wie ein älterer Junge den Verletzten aufhob und aus der Gefahrenzone trug. Es war Mbuyisa Makhubo. Hectors fassungslose Schwester Antoinette lief neben ihm.

Foto von Hector Pieterson, Mbuyisa Makhubo und Hectors Schwester Antoinette (c) Sam Nzima

Hector war schon tot, noch bevor ihn Mbuyisa Makhubo in das rettende Fahrzeug von Sam Nzima hieven konnte. Der Photograph versteckte den Film in seiner Socke, unmittelbar bevor er von Polizisten angehalten und zur Herausgabe seiner Kamera gezwungen wurde. Denn in Südafrika war es zu der Zeit verboten, die Polizei bei Einsätzen zu fotografieren.

Was danach geschah…

mit Sam Nzima

Die von Schwarzafrikanern betriebene Tageszeitung The World, bei der Sam Nzima beschäftigt war, entschloss sich trotz des Verbots die Fotos zu veröffentlichen. Die Welt sollte sehen, was im Südafrika der Apartheid geschah. Bald darauf wurde Sam Nzima von der Polizei aufgesucht und bedroht. Er sollte sich zwischen Job oder Leben entscheiden. Nzima verstand, er kündigte. Dennoch wurde er ein Jahr und sieben Monate zu Arrest verdonnert. Sein Foto jedoch ging um die Welt. Es zeigte das Trauma der schwarzen Bevölkerung Südafrikas, es rüttelte die Menschen weltweit auf. Das Foto markierte einen Wendepunkt, es war der Anfang vom Ende der Apartheid. Erst Jahrzehnte später erhielt Sam Nzima das Copyright auf das Foto. Im August 2018 starb Sam Nzima.

mit Hector Pieterson

Er wurde wenige Tage danach auf dem Avalon Cemetery bestattet. Am 16. Juni 2002, seinem 26. Todestag, wurde in Sowetos Township Orlando das Hector-Pieterson-Museum eröffnet. Nelson Mandela weihte das Hector-Pieterson-Memorial ein. Seit 1991 erinnert der Tag des afrikanischen Kindes an Hector Pieterson, er wurde zum Symbol für Kinderrechte.

mit Mbuyisa Makhubo

Ihm wurde zum Vorwurf gemacht, dass er sich mit dem Verwundeten fotografieren ließ. Es wäre ein populistischer Akt, um die weiße Regierung und die Polizei zu diskreditieren. Mbuyisa Makhubo tauchte unter, denn er musste mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Seine Familie berichtete später, nach der Rettungsaktion habe er sich verändert. Er war von Schuldgefühlen geplagt, dass er den Jungen nicht retten konnte. Seine Spur verlor sich, seine Familie hörte nie wieder etwas von ihm.

Jedes Jahr am 16. Juni wird der Tag des afrikanischen Kindes gefeiert. Jedes Jahr erhält der Gedenktag ein anderes Motto, um auf Mißstände aufmerksam zu machen. 2019 ist das Motto: „Humanitäre Maßnahmen in Afrika: Kinderrechte zuerst“. Kinder haben das Recht, gehört zu werden. Ihre Stimme muss Gewicht haben bei Entscheidungen, die ihre Belange und ihre Zukunft betreffen.

Angelika und das Team von afrika4teens gedenkt allen, die beim Schüleraufstand in Soweto 1976 dabei waren, besonders den drei Hauptakteuren Hector Pieterson, Sam Nzima und Mbuyisa Makhubo.

Mehr über den Tag des afrikanischen Kindes auf afrika-junior

Mehr über die Apartheid

7. April 2019

Der Zyklon Idai und der Klimawandel

Anfang März hatte sich ein Wirbelsturm über dem Indischen Ozean gebildet, zwischen Madagaskar und der Küste von Mosambik. Er raste über das Meer und wurde immer stärker. Am 14. März erreichte der Zyklon die ostafrikanische Küste, nahe der Stadt Beira. In kurzer Zeit hat der Zyklon Idai ganze Landstriche in Malawi, Simbabwe und Mosambik verwüstet. Er hat Dörfer und Städte überschwemmt und zahlreiche Häuser zerstört. Dabei hat er Hunderttausende obdachlos gemacht. Die Hafenstadt Beira hat es am schlimmsten getroffen. 500 000 Einwohner waren ohne Strom, ohne Kommunikationsnetz und ohne Verbindung zur Außenwelt. Die Zahl der Todesopfer wird auf 1000 oder mehr geschätzt. 

Warum hatte der Zyklon Idai eine so große Zerstörungskraft?

Zyklone  gab sie immer schon über dem Pazifik, doch seit den 1950er Jahren sind sie häufiger und heftiger geworden. In Orkanstärke fegen sie übers Meer. Der Zyklon Idai baute sich auf dem Indischen Ozean zwischen Madagaskar und der Küste von Mosambik auf. Auf der Karte links siehst du an der roten Markierung den Weg, den er zwischen dem 4.3. und dem 15.3. genommen hat. Er raste im Zickzack zwischen Ostküste und der Küste von Madagaskar hin und her. Dabei erreichte er eine Spitzengeschwindigkeit von 195 km. Daher hatte der Wirbelsturm eine so große Zerstörungskraft, als er auf die Hafenstadt Beira auftraf. Er war so stark, dass er Beira teilweise zerstören konnte. Idai ist der elfte tropische Sturm seit dem letzten Jahr, und der schwerste. Auf dem Foto links siehst du, wie der Zyklon Idai auf die Küste von Mosmabik auftrifft.

 

Wann kam Hilfe?

Die Menschen flücheteten sich auf die Dächer, um sich vor den Fluten zu schützen.

Die Flüsse waren zu Binnenseen angewachsen, der Flughafen von Beira war geschlossen. Der nationale Notstand wurde ausgerufen. Erst drei Tage später konnten Helfer mit Hubschraubern auf dem beschädigten Flughafen der Stadt landen. Sie waren die ersten, die mithilfe von Satellitentelefonen über das Ausmaß der Krise berichten konnten. Das Nachbarland Südafrika schickte sofort eine Hubschrauberflotte und rettete die Menschen aus den Gebieten, die von der Außenwelt abgeschnitten waren. Internationale Hilfsprogramme wurden schnell koordiniert. Chinesische Nothelfer in roten Jacken transportierten Nahrungsmittel in die betroffenen Gebiete. Dänische, deutsche, schweizerische und amerikanische Hilfsorganisationen bauten Notunterkünfte und kümmerten sich um die medizinische Versorgung der Verletzten. Ärzte ohne Grenzen bringen mit Hubschraubern und Booten Medizin in abgelegene Gebiete. Das technische Hilfswerk aus Deutschland baute in Windeseile nähe Beira eine Anlage zur Wasseraufbereitung. Die Zeit drängte, denn das schlimmste ist noch nicht vorbei. Die Helfer fürchten, dass durch verunreinigtes Wasser Seuchen ausbrechen. Die Weltgemeinschaft hatte unter Beweis gestellt, dass sie schnell und effizient Hilfe leisten kann, und das unter besonders schwierigen Bedingungen.

Was haben tropische Wirbelstürme mit dem Klimawandel zu tun?

Helfer auf der Suche nach Vermißten in der Nähe der Stadt Beira.

Die Klimaforscher sind sich uneins, ob die Zyklone durch die Erderwärmung häufiger und stärker werden. Einer von ihnen, Anders Levermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK),  sagt: „Es ist schwierig, detaillierte Vorhersagen für das zukünftige Auftreten von Wirbelstürmen zu machen. Völlig klar ist aber, dass diese durch die Erderwärmung in Zukunft mehr Energie aus dem Wasser werden aufnehmen können. Und dadurch wird auch die Zerstörungskraft dieser Ereignisse steigen.“ Im Klartext bedeutet das: Tropische Wirbelstürme werden durch die Klimaveränderung stärker werden. Durch den steigenden Meeresspiegel werden die Stürme auch bedrohlicher. Die Hilfe funktioniert, wenn die Katastrophe eingetreten ist. Aber was verhindert, dass es überhaupt zu solchen Katastrophen kommt?

 

Fridays for Future

Am meisten sind die Küstenbewohner in tropischen Gebieten vom Klimawandel betroffen, in Indien, Asien und in Ostafrika. Für diese Menschen ist es sinnlos, zu warten, bis Forscher eindeutige statistische Ergebnisse über extreme Wetterereignisse liefern. Sie erleben jedes Jahr mehr und schlimmere Stürme, die ihre Städte und Dörfer zerstören. Sie können nicht warten, bis Politiker weltweit sich darüber einigen, was sie gegen die Erderwärmung unternehmen wollen. Der Westen ist der größte Verursacher des Klimawandels. Deshalb gehen die SchülerInnen hier in Europa und anderswo am Freitag nicht zur Schule sondern zur Demo. Die Schule kann warten. Die Umwelt nicht. Fridays for Future! Greta Thunberg hat es vorgemacht, Freitagsdemos sind sinnvoller als Sonntagsreden. Die Demos gegen den Klimawandel sind für die Zukunft wichtiger als ein Tag Schule!

Wir, Angelika und das Team von afrika-junior, sind für die Fridays for Future Demos!

1. März 2019

Frauenpower in Äthiopien

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy wird von eritreischer Delegation empfangen

In Äthiopien regierte lange Zeit eine Einheitspartei das Land mit harter Hand. Die Opposition wurde unterdrückt, die Proteste junger Äthiopier mit Polizeigewalt nieder geschlagen. Doch der Zorn der Jungen war auf Dauer nicht mehr zu unterdrücken. Mit der Wahl von Abiy Ahmed zum neuen Ministerpräsidenten im letzten Jahr kam die überraschende Wende: Äthiopiens Regierung wird demokratischer, und sie wird weiblicher.

Die Wende in Äthiopien

Sahle-Work Zewde

In dem einstmals patriarchalischen Land befinden sich seit der Wahl in 2018 mehr Frauen in Regierungsämtern als in jedem anderen afrikanischen Land- nämlich genau die Hälfte aller Regierungsämter. Das Highlight: steht seit Ende letzten Jahres eine Frau an der Spitze: Sahle-Work Zewde. Die frühere Botschafterin wurde einstimmig zur ersten Präsidentin des Landes gewählt. Hat sie die meiste Macht im Land? Nein, die besitzt der Ministerpräsident. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, zu repräsentieren. Doch als Präsidentin wird sie Einfluss darauf nehmen, dass Frauen künftig in der Politik von Äthiopien mit bestimmen.

 

Frieden in Ostafrika und Freiheit im Inneren

Muferiat Kamil, äthiopische Friedensministerin

Sahle-Work Zewde wird von einer ganzen Reihe von Politikerinnen unterstützt, denn die Hälfte des Kabinetts ist mit Frauen besetzt ist. Diese geballte Frauenpower wird dafür sorgen, dass sich in Äthiopien vieles zugunsten von Frauen und Mädchen ändern wird. Sie entscheiden nun über das Militär, die Polizei und den Geheimdienst. Das ist neu in Afrika und für die ganze Welt. Das neu geschaffene Ministerium für Frieden ist zu einem Superministerium geworden, geleitet von einer Frau: der früheren Parlamentspräsidentin Muferiat Kamil. Damit erkennt die Regierung die herausragende Rolle von Frauen bei der Suche nach Frieden im Land an. Dieses Ministerium ist zugleich auch für die Bundespolizei und die Geheimdienste zuständig. Damit betont die neue Regierung die Wichtigkeit der Versöhnung zwischen den verschiedenen Parteien und Völkergruppen im Land.

 

Wird Äthiopien ein besserer Ort für Frauen und Mädchen?

Die äthiopischen Politikerinnen wollen die Gleichberechtigung vorantreiben, die Bildung für Mädchen verbessern und die Beschneidung von Mädchen abschaffen. Für Toyba Ibrahim, eine 20-Jährige Studentin sieht die Zukunft gemischt aus, insbesondere weil Frauen in Äthiopien in der Vergangenheit nicht gleichberechtigt waren. In Bildung, Wirtschaft und Politik spielten sie keine Rolle. Dass jetzt eine Frau Präsidentin und eine weitere oberste Richterin geworden ist, gibt ihr Mut: „Unsere Mütter und Großmütter haben früher wirklich gelitten, Gleichbehandlung war ein Fremdwort. Aber gerade nach den jüngsten Veränderungen hoffe ich, dass das Leben für Frauen besser wird. Die politischen Entscheidungen lassen mich glauben, dass wir künftig die gleichen Chancen haben werden wie Männer.“

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Angelika und das Team von afrika4teens wünschen Sahle-Work Zewde und ihre Mitstreiterinnen das allerbeste und hoffen, dass sie die Welt für Mädchen und Frauen in Äthiopien besser machen.

Mehr über Äthiopien

Vorschau: Im nächsten Monat berichten wir im 2. Teil über Enthüllungsjournalismus in Afrika

3. Februar 2019

Enthüllungs-Journalismus in Afrika

Aus Anlass der Ermordung des investigativen Journalisten Ahmed Hussein-Suale am 16. Januar dieses Jahres in Accra berichten wir über afrikanische Journalisten, die Korruption in Politik und Wirtschaft aufdecken.

Die Stars im Enthüllungs-Journalismus in West-Afrika

Anas Anayarema Anas ist der Star unter den investigativen Journalisten in Ghana. Er stürzt Politiker, Richter und Fußballfunktionäre: Anas Aremeyaw Anas ist Teil einer kleinen, aber wachsenden Berufsgruppe in Afrika. Er hat „Tiger Eye IP“ gegründet, eine geheim operierende Gruppe von Gleichgesinnten, die auf eigene Faust die Schwachstellen von Regierungen und Institutionen aufdecken. Sie finanzieren sich über Crowd Funding, manchmal arbeiten sie mit der Polizei zusammen oder mit internationalen Presseorganen wie BBC.

Die Aktivitäten von Tiger Eye

Die Gruppe wies in einer bemerkenswerten Recherche 34 ghanaischen Richtern Korruption nach, deckte den Handel von Kindern und Prostituierten sowie Morde an Albinos auf. Anas benutzt alle Tricks der verdeckten Recherche. So verkleidet er sich, schlüpft er in die Rolle eines psychisch Kranken und verbringt mehrere Wochen in einer Psychiatrie. Anas Lebensversicherung: Er und seine Mitstreiter verbergen ihr Gesicht bei öffentlichen Interviews mit einem Hut, an dem Hunderte Fäden mit Plastikperlen das Antlitz verbergen.

„Anonymität ist meine Gemeinwaffe“, sagte Anas 2018 in einem Interview mit dem TV-Sender KTN, „ich nenne die ‚Bad Guys’ beim Namen und bringe sie hinter Gittern. Das ist kein konventioneller Journalismus. Es ist mein Verständnis, was Journalismus sein sollte.“

Investigative Journalisten, die modernen Volkshelden Afrikas  und warum sie so wichtig sind

Journalisten wie Anas sind als regulierende Kraft in Afrika besonders wichtig. Viele Länder sind de facto weiterhin Einparteien, die sowohl Regierung als auch Parlament dominieren. Das bedeutet, dass die Kontrollfähigkeit der Volksvertretung eingeschränkt ist. Auch die Strafverfolgungsbehörden sind nicht immer unabhängig. Diese Lücke wollen Anas und seine Tiger Eyes schließen. Sie sind so etwas wie die vierte Gewalt im Staat und genießen den Rückhalt in der Bevölkerung. Doch der wichtige Schutz funktioniert leider nicht immer. So geschehen im letzten Korruptionsfall, den ein Mitglied von Tiger Eye aufdeckte.

Korruption im westafrikanischen Fußball

Jüngst hat die Truppe Furore gemacht mit ihren Recherchen über Korruption im westafrikanischen Fußball. Zwei Jahre lang hatte Anas mit seinem Team für die BBC zu Korruption im westafrikanischen Fußball recherchiert. Besonders in Ghana hatten er und sein Team immer wieder Schiedsrichtern und Funktionären Geld angeboten, um den Ausgang von Spielen zu beeinflussen. Die meisten akzeptierten. Am Ende trat Ghanas Verbandspräsident zurück, Dutzende Schiedsrichter wurden gesperrt. Daraus entstand die Dokumentation „Number 12“, die im Juni 2018 Premiere hatte. Der Eklat folgte Anfang dieses Jahres: Am 16. Januar wurde ein Mitglied von Tiger Eye – Ahmed Hussein-Suale – in der Nähe seines Hauses in Accra erschossen aufgefunden. Die Polizei von Ghana nimmt an, dass er wegen seiner kritischen Berichterstattung ermordet wurde. Dazu paßt, dass der Ghanaische Politiker Kennedy Agyapong eine Kampagne startete, in der er verbreiten ließ, dass das Team von Tiger Eye ihn mit seinen Under Cover Methoden angegriffen hatte. Er rief öffentlich dazu auf, dass Anas gehängt werden sollte und sorgte dafür, dass über eine private TV-Station insbesondere Hussein Suales Gesicht öffentlich bekannt wurde.

To be continued… im Lauf dieses Jahres berichten wir über investigativen Journalismus in Südafrika

Angelika und das Team von afrika4teens

Vorschau: Im März berichten wir über Frauenpower in Äthiopien und den gesellschaftlichen Umbruch in dem ostafrikanischen Land

6. Januar 2019

Indigene Völker, ihre Rechte und unsere Zukunft

2007 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Erklärung über die Rechte indigener Völker. Das war ein wesentlicher und längst überfälliger Schritt der UNO, um weltweit die rechtliche Situation indigener Völker zu gewährleisten. Laut UN gibt es weltweit etwa 370 Millionen Angehörige indigener Völker. Warum gelten für indigene Völker neben den allgemeinen Menschenrechten Sonderrechte? Indigene sind Völker ohne Pass, ohne Staatsgrenzen, ohne verbrieftes Recht auf ihren Lebensraum. Sie brauchen einen besonderen Rechtsschutz. Das betrifft insbesondere das Recht auf ihre ursprüngliche Lebensweise und Kultur sowie das Recht auf ihren Lebensraum und die  Ressourcen, die zu ihrem Lebensraum gehören.

 

Schützt die UNO-Erklärung  indigene Völker in Afrika?

Seit der UNO Erklärung in 2007 wurden große Fortschritte gemacht. Doch in Bezug auf ihren Lebensraum und ihre Ressourcen sind die Rechte indigener Völker noch nicht ausreichend gewahrt. Dies liegt zum Teil an der Diskriminierung ihrer Kultur und Lebensweise, andererseits an der mangelnden Unterstützung seitens der Regierungen, die die Wahrung ihrer Rechte nicht ausreichend sicherstellen. In Afrika betrifft das im besonderen die indigenen Völker südlich der Sahara, zu denen die Himba, die San, die Baka Waldvölker und viele andere Völker mehr zählen, die zum großen Teil noch ursprünglich wie ihre Vorfahren vor mehr als zehntausend Jahren leben.

Häufig kommt es zu Konflikten, weil in den Gebieten indigener Völker wertvolle Bodenschätze abgebaut werden und diese vertrieben oder zwangsweise umgesiedelt werden. So geschehen in Botswana, wo die San vor zwei Jahrzehnten aus ihren Jagdgebieten in der Kalahari vertrieben wurden, um den Diamantabbau industriell zu betreiben. Die Endorois in Kenia erlitten ein ähnliches Schicksal. Sie wurden auch vertrieben, allerdings aus einem anderen Grund: ihr Gebiet wurde zu einem Nationalpark erklärt.

Naturschutz und die Rechte indigener Völker

2010 war ein bedeutendes Jahr für die Endorois und für alle anderen indigenen Völker Afrikas. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kontinents hat die Afrikanische Kommission für Menschenrechte (ACHPR) den Endorois ihre Landrechte zugesprochen. Nach langen Auseinandersetzungen durften diese im Februar 2010 wieder in ihr Gebiet zurückkehren. Außerdem wurden sie an den Gewinnen beteiligt, die auf ihrem Land erzielt wurden.

In diesem Rechtsstreit wurde zum ersten Mal die konfliktreiche Beziehung zwischen dem Naturschutz ökologisch wertvoller Gebiete und dem Gebietsrecht der darin lebenden Naturvölker deutlich. Im Fall der Baka Völker im Kongobecken und dem WWF ist seit 2018 dieser Konflikt wieder hoch gekocht. Dabei geht es um die tropischen Regenwälder im Herzen Afrikas. Der WWF will in dem Kongogebiet ein großes Naturschutzgebiet errichten. Allerdings hat er sich nach Aussage der dort lebenden Baka nicht mit ihnen darüber verständigt. Vom WWF engagierte Ranger verwehren ihnen die Jagd in ihrem Gebiet. Survival International kämpft mit den Baka für den Erhalt ihres Lebensraumes. Der Wald ist ihre Lebensader und versorgt sie mit Nahrung und Heilpflanzen. Ein Leben außerhalb des Waldes ist für sie undenkbar. Studien haben gezeigt, dass indigene Völker wie die Baka ohne Zugang zu ihren Wäldern erkranken und früher sterben.

Naturschutz und „grüner Kolonialismus“

Dieser Konflikt macht wieder einmal deutlich, dass Naturschutz und Tierschutz sehr wichtig sind. Sie dürfen jedoch nicht auf Kosten und nicht ohne den Willen der indigenen Völker geschehen. Mehr noch, nur mit Hilfe des genialen Wissens dieser Völker können ökologisch wertvolle Regionen erhalten werden. Denn sie sind es, die seit Jahrtausenden das Gleichgewicht in diesen Gebieten erhalten haben. Hätte unser Planet eine Zukunft ohne ihr Wissen? Es darf gezweifelt werden.

Die Menschenrechtsorganisation Survival International setzt sich für indigene Völker ein und führt eine Kampagne zu dem Schwerpunkt Nationalparks und indigene Völker. Die Erkenntnis aus ihrem 50jährigen Einsatz besteht darin, dass nachhaltiger Naturschutz nur mit Beteiligung der indigenen Völker möglich ist.

Mehr über die Kampagne von Survival International zum Schutz indigener Völker

Mehr über die Lebensweise der Baka Völker auf afrika-junior

7. Oktober 2018

Friedensnobelpreis 2018 geht an Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

Der Friedensnobelpreis ist der wichtigste Preis, den das norwegische Nobelpreiskomitee Jahr für Jahr vergibt. Dieses Jahr wurde er zwei Persönlichkeiten verliehen, die sich gegen sexuelle Gewalt in politischen Konflikten einsetzen.

Denis Mukwege, der „Wunderdoktor“ aus dem Kongo

Denis Mukwege

Der kongolesische Arzt Denis Mukwege ist Gynäkologe. Er gilt als führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen. Sein Engagement begann Mitte der neunziger Jahre, als der Bürgerkrieg im Kongo tobte. Immer mehr Frauen kamen in seine Praxis, die Opfer von Gräueltaten wurden. 1999 eröffnete er die Panzi-Krankenstation für vergewaltigte Kriegsopfer. Das Krankenhaus liegt im Ostkongo, wo etliche Milizen um die Kontrolle der Bodenschätze kämpfen. Damals galt es als Tabu, über sexuelle Gewalt zu berichten. Seitdem behandelte er Tausende Frauen und Kinder. Seine Patientinnen nennen ihn „Wunderdoktor“, denn viele verdanken ihm ihr Überleben oder können trotz schrecklicher Verstümmelungen ein würdevolles Dasein führen.

Als Menschenrechtler setzt er sich auch politisch gegen sexuelle Gewalt ein. Im Kongo kämpft er dagegen, dass  Vergewaltigungen als Kriegswaffe genutzt werden. Er hat immer wieder die kongolesische Regierung kritisiert, die das Thema totschweigt. Außerdem hat er mehr internationales Engagement zur Beendigung der bewaffneten Konflikte im Kongo gefordert.

Die kongolesische Regierung ließ verlauten, dass sie sich durch die Auszeichnung für einen Kongolesen zwar geehrt fühlt, gleichzeitig hat sie jedoch den Arzt für seine politische Haltung kritisiert.

 

Die Jesidin Nadia Murad nennt sich die Stimme der Versklavten

Nadia Murat

Mukwege teilt sich den Friedensnobelpreis mit der jesidischen Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ versklavt und vergewaltigt wurde. International gab es für die Entscheidung des Komitees ebenso wie für Mukwege und Murad überwältigende Zustimmung. Für beide Gewinner kam die Auszeichnung am Freitag völlig überraschend, denn die Jury hatte weder Mukwege noch Murad vor der Verkündung erreicht.

Nadia Murad hat ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben: Ich bin eure Stimme. Das Mädchen, das dem Islamischen Staat entkam und gegen Gewalt und Versklavung kämpft. Knaur 2017. Heute kämpft Nadia Murad dafür, dass das Verbrechen des IS als Völkermord anerkannt wird und die Verantwortlichen vor den Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden.

Der UN Sicherheitsrat hat bereits vor zehn Jahren sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen verurteilt. In diesem Sinn ist der Friedensnobelpreis ein Aufruf, endlich diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die sich dieser schrecklichen Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben! Zu den Me-Too Protesten: Wir hoffen, dass dieser Preis auch den weltweiten Kampf gegen sexuellen Mißbrauch im Alltag unterstützt.

 

Vorschau: Im nächsten Monat geht es um investigativen Journalismus in Afrika und dem Mann mit dem Perlenhut,

bis dahin wünschen dir schöne Herbstferien

Angelika und das Team von afrika4teens

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1. Oktober 2018

Ein Farmer aus Burkina Faso erhält den Alternativen Nobelpreis 2018

Jedes Jahr wird der Alternative Nobelpreis an Menschen vergeben, die sich besonders für die Gerechtigkeit oder für den Schutz der Natur einsetzen. In diesem Jahr gehen die mit je rund 96.000 Euro dotierten Geldpreise an den Bauern Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso und den Australier Tony Rinaudo. Beide versuchen das Unmögliche: auf dürrem, unfruchtbarem Land Wälder anzupflanzen.

Yacouba Sawadogo, der Mann, der die Wüste aufhält

Yacouba Sawadogo

Yacouba Sawadogo lebt in dem kleinen Dorf Gourga im Norden von Burkina Faso, dort, wo sich die Sahara immer mehr ausbreitet. Die Dorfbewohner bezeichneten Yacouba als Verrückten, denn jahrelang versuchte er, in der Wüste Bäume zu pflanzen. Angefangen hatte er in den achtziger Jahren, als im Sahel gewaltige Dürren herrschten. Tiere verdursteten, die Menschen verzweifelten. Aus dem Westen kam Hilfe. Brunnen wurden tief in die Erde gebohrt, Nahrungsmittel wurden geliefert. Aber es reichte bei weitem nicht, um alle Menschen und Tiere zu retten. Experten und Entwicklungshelfer aus aller Welt hatten viele Jahre lang vergeblich den Hunger in der Sahelzone bekämpft. Doch der einfache Bauer in Burkina Faso schaffte ein kleines Wunder. Ihm gelang es, einen Wald in der Wüste zu pflanzen und so den Boden fruchtbar zu machen. Auf dem Foto rechts siehst du Yacouba.

Yacoubas bahnbrechende Anbau-Methode

Was war Yacoubas Geheimnis? Er hackte flache Mulden in die staubtrockene Erde und streute Hirsekörner hinein. So wie es seine Vorfahren im Sahel seit Jahrhunderten machen. Doch er wusste, diesmal war die Dürre zu schlimm. Er musste sich etwas einfallen lassen, damit die Saat trotz des ausbleibenden Regens aufging. Yacouba begann zu experimentieren. Zu den Hirsekörnern gab er eine Mischung aus Viehdung,  Blättern und Asche. Den Kot der Tiere sammelte er unter schattigen Bäumen ein. So gelangten neben Getreidekörnern auch  Baumsamen in die Erde. Die Hirse gedieh, und hunderte Bäume begannen auf Yacoubas Feldern zu wachsen. Jedes Jahr stieg der Ertrag der Hirse. Yacouba stellte fest: „Getreide und Bäume stören sich nicht. Im Gegenteil. Die Bäume halten das Wasser in der Erde. Und sie verhindern, dass die Saat vom Wind verweht wird. Es ist eine sehr einfache Technik – und billig dazu.“ Yacouba verbesserte seine Technik noch einmal. Er baute Steinreihen, welche die Felder während der Regenzeit schützen und das Wasser aufhalten. Und er machte sich die Termiten zu Verbündeten. Wie, das siehst du in dem Film.

Yacouba, der Pionier

Yacouba Sawadogo fährt seine Felder entlang

Allmählich sprach sich herum, dass Yacouba in vierzigjähriger Arbeit das Unmögliche geschafft hat. Er hat am Rand der Wüste einen Wald gepflanzt und fruchtbares Land geschaffen. Yacoubas Felder wurden von Neidern niedergebrannt. Sie behaupteten, dass das Land, das er fruchtbar gemacht hat, ihm gar nicht gehören würde. Das stimmte auch. Sie verlangten für das nun fruchtbare Land einen so hohen Preis, dass Yacouba ihn nicht bezahlen konnte. Yacouba kämpfte nicht um seine verlorene Ernte und um sein Land. Er zog weiter und machte neues Land fruchtbar. Denn er wußte, dass seine Methode ihm neue Ernten bescheren würde. Yacouba konnte dem Verlust sogar etwas Positives abgewinnen: „Wenn du Gegner hast, weißt du, dass du etwas Gutes getan hast“, sagte er in einer Dokumentation über seine Arbeit. Heute reist Yacouba durch die Welt und berichtet von seiner Methode. Sein Credo: „Alle müssen die Wälder respektieren, nur dann werden sie auch ernten“. Er startete eine Massenbewegung. Heute empfehlen die Vereinten Nationen seine Methode zur Nachahmung. Und ab heute verfügt Yabouba Sawadogo dank der Preisverleihung über genügend Mittel, um neues Land zu erwerben und fruchtbar zu machen.

Vorschau: Im nächsten Monat geht es um investigativen Journalismus in Afrika und dem Mann mit dem Perlenhut,

bis dahin wünschen dir schöne Herbstferien

Angelika und das Team von afrika4teens

Hier gehts zum Film über Yacouba Sawadogo

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