17. Juli 2020

Black Lives Matter

George Floyd – Wandbild Berlin

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai in Minneapolis durch einen Polizeieinsatz hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Polizeigewalt in den USA, vor allem gegen schwarze Bewohner, hat eine unrühmliche Geschichte. Schwarze geraten öfter in Polizeigewahrsam, die Gefängnisse sind in der Regel mit 80 Prozent schwarzen Insassen belegt. Bei Festnamen kommen immer wieder Schwarze ums Leben. Was George Floyds Tod von allen anderen vergleichbaren Fällen unterscheidet: Der Vorfall wurde von Passanten gefilmt, einige versuchten, die brutal vorgehenden Polizeikräfte zur Mäßigung zu bewegen, umsonst. Über die Sozialen Medien verbreiteten sich die Aufnahmen von dem Geschehen sekundenschnell um die Welt. Die vier beteiligten Polizisten wurden festgenommen, vermutlich werden sie wegen Totschlags vor Gericht gestellt. In einem Jahr soll der Prozess beginnen.

 

Ist die Polizeigewalt in den USA rassistisch?

Der Fall löste großflächige Proteste gegen Polizeigewalt in den USA aus, denn er  ruft Erinnerungen an die schlimmsten Zeiten des Rassismus wach, an die „Black Panther“ Widerstandsbewegung  in den USA. Darüber hinaus führt er einmal mehr die traurige Zeit der Sklaverei vor Augen und deren Langzeitfolgen für heutige Generation. Die Wut trieb Zehntausende auf die Straße, sie protestierten, randalierten, einige plünderten. In 140 amerikanischen Städten machte die Wut der Menschen die Nacht zum Tag. Wegen Ausschreitungen und Plünderungen, bei denen es zu mehreren Todesopfern kam, wurden ab dem 31. Mai 2020 in 40 US-Städten Ausgangssperren verhängt. Sogar die Nationalgarde wurde eingesetzt. In diesem Zusammenhang kam es zu weiteren Fällen von Polizeigewalt, die als unverhältnismäßig kritisiert wurde.

Die „Black Lives Matter“ Proteste griffen schnell auf die gesamte westliche Welt über, vor allem auf jene Länder, die einst am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt waren. Die Menschen in Paris, London, Berlin, Lausanne gingen auf die Straße. Von Pretoria bis nach Sydney gab es Protestzüge. Ein Beispiel des Protestes: Bristol in Großbritannien.

Edward Colston und der transatlantische Sklavenhandel

Sklavenhändler Edward Colston, Jonathan Richardson

Bei Anti-Rassismus-Protesten im englischen Bristol haben Demonstranten am 7. Juni die Statue eines britischen Sklavenhändlers vom Sockel geholt und ins Hafenbecken geworfen. Wie die Videoaufnahme eines Augenzeugen zeigt, zogen Demonstranten am Sonntag eine Schlinge um den Hals der Statue von Edward Colston, brachten sie zu Fall und versenkten sie im Fluss Avon. Die Polizei Englands kündigte Ermittlungen an. Ein paar Daten zu Colston: Der im 17. Jahrhundert in eine wohlhabende Händlerfamilie geborene Colston arbeitete für die Königlich-Afrikanische Gesellschaft. Die Royal African Company war eine Handelsgesellschaft, die von der königlichen Familie Stuart und Händlern der City of London gegründet wurde. Die Gesellschaft besaß ab 1662 in England das Monopol für den Handel mit Gold, Silber, Elfenbein und Sklaven an der Westküste Afrikas. Colston war an der Versklavung von 80 000 Menschen beteiligt und wurde hauptsächlich durch Sklavenhandel reich. Die meisten Gefangenen wurden in die Karibik verschifft und mussten auf den Inseln auf Zuckerplantagen schuften. Später erwarb Colston sich durch Spenden an Schulen und Krankenhäuser den Ruf eines Philanthropen. Zum Dank errichteten 174 Jahre nach seinem Tod wohlhabende Kaufleute der Stadt diese Statue für ihn, jedoch ohne Hinweis auf seine Vergangenheit als Sklavenhändler. Schon damals gab es Proteste gegen die Statue.

„Heute bin ich Zeuge von Geschichte“, schrieb William Want, der das Video von dem Sturz der Colston-Statue veröffentlichte, auf Twitter.

 

Stimmen aus dem Vereinigten Königreich

Der Bürgermeister von Bristol bedauert den Verlust der Statue des Sklavenhändlers nicht. Das sagte Marvin Rees von der Labour-Partei am Montag in einem BBC-Interview. „Als gewählter Politiker kann ich Sachbeschädigung und Unruhen wie diese nicht unterstützen“, sagte Rees. Aber die Statue eines Sklavenhändlers mitten in der Stadt sei für ihn niemals etwas anderes als ein „persönlicher Affront“ gewesen, betonte der Politiker mit jamaikanischen Wurzeln.

Die britische Innenministerin Priti Patel nannte den Angriff auf die Statue „zutiefst schändlich“. Sie sprach im Sender Sky News von „Vandalismus“ und einem „völlig inakzeptablen Akt“.

Premierminister Boris Johnson verurteilte die Ausschreitungen bei den Anti-Rassismus-Protesten. Die Gewaltakte seien ein „Verrat“ an den von den Demonstranten propagierten Zielen, twitterte er, ging dabei jedoch nicht auf die Colston-Statue ein.

Ist Gewalt gegen nationale Symbole des Rassismus gerechtfertigt?

Versenkung der Statue von Colston im Fluss Avon, Bristol

Rechtfertigt das Ziel, Rassismus abzuschaffen, das gewaltsame Vorgehen der Demonstranten? Wir erinnern uns: Nelson Mandela hat die Frage vor Gericht klar beantwortet und dafür ein Leben hinter Gittern riskiert. Das war zur Zeit des Unrechtssystems der Apartheid, das Schwarze aus allen Bereichen der Gesellschaft ausgrenzte und Oppositionelle mit aller staatlichen Willkür verurteilte und misshandelte. Heute geht es in demokratischen Gesellschaften darum, Rassismus aufzuarbeiten, sich mit der Geschichte und den Folgen der Sklaverei zu beschäftigen. Und gehört dazu nicht auch, sich der öffentlichen oder staatlichen Symbole dieser Vergangenheit zu entledigen oder sie entsprechend einzuordnen? Minneapolis und der Tod von George Floyd werden den Blick auf Rassismus verändern.  Der britisch-nigerianische Historiker David Olusoga schrieb zu Bristol: „Was auch immer in nächster Zeit gesagt werden wird: Das war kein Angriff auf Geschichte – das ist Geschichte. Es ist einer jener seltenen historischen Momente, die dazu führen, dass die Dinge nie wieder so sein können, wie sie waren.“

1. Juni 2020

Jugendproteste in Afrika 2019

(c) Yasuyoshi Chiba

Dieses Photo schoss der japanische Fotograf  Yasuyoshi Chiba während der Jugendproteste im Sudan 2019. Es zeigt einen jungen Mann, der im Schein von Handy-Lampen Gedichte rezitiert. „Straight Voice“, gerade herausgesprochen, ist das Siegerbild des World Press Photo Contest, es zeigt einen Moment der Poesie mitten in den blutigen Protesten im Sudan.

Stoppt Corona die Jugendproteste in Afrika?

Dass hunderttausende Jugendliche sich in vielen afrikanischen Ländern erheben und ihre Regierungen herausfordern, ist eine totale Neuentwicklung in Afrika. Lange galt in vielen Ländern Afrikas das Prinzip, «Suffering and Smiling»: Man leidet, aber lächelt dabei. Jugendproteste flammten zwar in einzelnen Ländern immer wieder auf, wurden aber auch schnell von Polizei und Militär niedergeschlagen. 2019 änderte sich das. Vielerorts kam es zu einer Emanzipation der Massen: Wer leidet, schweigt nicht mehr, sondern fordert Verbesserungen oder verlangt nach einem Umsturz. Der Mut der Verzweifelten und der Kampfgeist der Enttäuschten beherrschte die Großstädte Afrikas, im Norden wie auch in den Ländern südlich der Sahara.

Die Gründe für den Zorn

Die Gründe für den Zorn der Menschen liegen auf der Hand. Rund ein Drittel der 1,3 Milliarden AfrikanerInnen lebt in absoluter Armut. Von den hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten der letzten Jahre profitierte meist nur eine kleine Elite. Jobs gibt es noch immer viel zu wenige, die staatlichen Dienstleistungen sind ungenügend und die Korruption grassiert. Besonders für die junge Generation sind die Perspektiven düster. Laut Weltbank sind die sozialen Aufstiegschancen für junge Menschen auf keinem Kontinent geringer als hier. Nur einer von vier Schulabgängern findet eine Stelle. Viele dieser Missstände existieren in Afrika seit Jahrzehnten, ohne dass diese zu großen Revolten geführt hätten. Was hat zu der jüngsten Entwicklung geführt? Da ist einmal die Digitalisierung, die es möglich gemacht hat, dass Demonstrationen in verschiedenen Städten koordiniert werden können. Dazu zählt das starke Wachstum afrikanischer Städte, in denen sich Proteste viel rascher ausbreiten als auf dem Land. Und dazu gehört die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren in vielen Ländern eine kleine, kritische Mittelschicht gebildet hat. Diese vertritt selbstbewusst ihre Interessen gegenüber autoritären Regierungen. Immer weniger lassen sich mit falschen Versprechen abspeisen. Und weil es bei Wahlen in Afrika selten eine wirkliche Wahl gibt, gehen sie auf die Straße.

Corona verstärkt die Wut

Für bedrängte Regime Afrikas verhilft die gegenwärtige Pandemie zu einer willkommenen Verschnaufpause. Die Demonstranten müssen zu Hause bleiben, daher lässt der Protest nach. Doch die Wut der Menschen wird nicht verschwinden, im Gegenteil. Wenn die Corona-Krise den Kontinent wirtschaftlich lähmen wird, dann werden die Missstände der Regierungen nicht mehr zu vertuschen sein. Die Proteste dürften dann umso heftiger wieder aufflammen, sobald das Virus unter Kontrolle ist.

Was bedeutet das für die Zukunft des Kontinents? Im besten Fall können Proteste überfällige Veränderungen anstoßen. In Äthiopien leiteten die ausdauernden Demonstranten die Demokratisierung ein. Im Sudan stürzten sie einen unantastbar scheinenden Autokraten. In Malawi wurde nach Protesten die manipulierte Wahl annulliert, die Regierung von Ghana musste wegen des Unmuts in der Bevölkerung auf den teuren Neubau des Parlaments verzichten. Im schlechteren Fall aber bewirken Proteste genau das Gegenteil von dem, was sie anstreben. In Togo, Tschad und Benin haben regierungskritische Demonstrationen dazu geführt, dass die Freiheiten eingeschränkt wurden. In Kamerun mündeten die friedlichen Demonstrationen in eine bürgerkriegsähnliche Krise. In Guinea änderte der Präsident trotz zahlreicher Proteste die Verfassung, um noch länger an der Macht zu bleiben.

Stabilität oder Umbruch

Der wachsende Widerstand in Afrika ist vor allem für die Jugend eine Chance, wenn sie dazu beitragen kann, dass verantwortungsvolle PolitikerInnen die Macht übernehmen. Ob dies gelingt, liegt in ihren Händen. Doch der Einfluss europäischer, amerikanischer oder chinesischer Regierungen ist ebenfalls wichtig. Europa hat zwar einiges an Einfluss verloren, trotzdem spielt es immer noch eine Rolle, wie etwa Paris, Berlin oder Brüssel zu einer bestimmten afrikanischen Regierung steht. Bisher galt dabei leider ein Leitprinzip: Ein Freund Europas ist, wer Stabilität bietet. Demokratie und Menschenrechte spielten nur in Absichtserklärungen eine gewisse Rolle, aber kaum in der Politik der Länder. So kam es, dass Autokraten wie Déby im Tschad, Museveni in Uganda, Biya in Kamerun Jahrzehnte lang auf die Unterstützung des Westens zählen konnten.

Diese Politik hat ausgedient: Wo Politiker nicht die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellen, sondern nur egoistische Interessen verfolgen, wächst der Zorn. Denn immerhin gilt: Fast sieben von zehn AfrikanerInnen erachten die Demokratie als beste Regierungsform. Der Wunsch nach Freiheit ist ihnen sehr wichtig. Hinzu kommt: Die meisten Jugendlichen gehen auf die Straße, weil sie keine Zukunftsperspektiven haben und marginalisiert werden. Diese Erkenntnis ist wichtig für Europa. Die Protestierenden in Algier, Khartum, Jaunde oder Lomé, machen klar, dass sie Unterstützung verdienen, und nicht die alten Regierungskader, die sich dank europäischer und anderweitiger Zuwendungen an der Macht halten können. Die Jugend benötigt keine Zuwendungen, sie benötigt Hilfe zu Selbsthilfe.

2. Mai 2020

Afrikanische Musik in Corona Zeiten

Musik lebt vom Austausch, von Festivals und Performances und nicht zuletzt von einer funktionierenden Industrie. In Zeiten von Corona erscheint das fast unmöglich. Das sich schnell verbreitende Virus lähmt die Kreativen. Wirklich alle? Die Midem, die größte Musikmesse der Welt, die alljährlich in Cannes Anfang Juni stattfindet, lässt sich davon nicht abhalten. Wenn nicht real, sagen die Veranstalter, dann eben digital. Die online Version des Musikfestivals bringt die weltweite Musikgemeinschaft zusammen, um sich auszutauschen und neue Wege im Musikmarkt zu diskutieren. Die globale Vereinigung der Musikbranche ist dabei wichtiger denn je, um besonders jene MusikerInnen zu unterstützen, die noch um ihren Platz im internationalen Musikgeschäft kämpfen müssen. Dazu gehören vor allem MusikerInnen aus Afrika.

Midem’s African Forum

Speziell für afrikanische Künstler und Kreative wurde das African Music Forum im Rahmen der Midem geschaffen. Einer der Initiatoren ist der Nigerianer Femi Kuti, Sänger und Saxofon-Virtuose. Sein Vater Fela Kuti gilt als Erfinder des Afrobeat. Femi Kuti hat sein Erbe angetreten und den Afrobeat mit seiner Band The Positive Force beständig erweitert und mit Elementen von Punk und Hiphop modifiziert. Seine Art des Afrobeat ist durch zahlreiche Blasinstrumenteund klare afrikanische Klänge und Rhythmen gekennzeichnet. Gleichzeitig ist sie auch stark vom US-amerikanischem Jazz beeinflusst.

Afrobeat als politisches Sprachrohr

Femi Kuti ist dabei seinem Prinzip treu geblieben, Musik als politisches Sprachrohr im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen. In den Musiktexten prangert er die perspektivlosen Lebensbedingungen in Afrika an wie auch zahlreiche existentielle Probleme. Dazu gehört der Kampf gegen Aids und die rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen durch multinationale Ölkonzerne, die gigantische Umweltzerstörungen in Nigeria hinterlassen haben. Wie sein Vater bedient er sich in seinen Texten des weitverbreiteten Pidgin-Englisch, um möglichst viele Menschen im Vielvölkerstaat Nigeria zu erreichen.

 

Der Club The New Africa Shrine in Lagos, den Femi Kuti seinem Vater zum Denkmal setzte, ist nach wie vor das Zentrum der internationalen Afrobeat-Bewegung und kollaborativer Entstehungsort für Femi Kutis Musik. 2018 erschien sein neues Album One People, One World, mit dem er auch durch Europa tourte.

Auszeichnungen: 1999 wurde Femi Kuti mit dem Kora All African Music Award in den Kategorien Best Artist of West Africa und Best Artist

Auf Youtube kannst du Femi Kuti & The Positive Force bei seinem Konzert in Winterthur 2018 hören

5. April 2020

Das Corona-Virus und seine Folgen für Afrika

Ausgangskontrolle in Township in Südafrika

Das Coronavirus macht allen Menschen Sorgen, denn es ist gefährlich und breitet sich schnell aus. Bei den jüngeren Menschen verursacht es zumeist nur eine Erkältung. Aber für Kranke und alte Menschen kann es schlimme Auswirkungen haben und sogar zum Tod führen. Das Virus brach in China aus und trat dann seine Reise durch alle Kontinente an. Inzwischen ist es auch in Afrika angekommen. Zum Glück sind dort noch nicht so viele Menschen infiziert wie in China, Europa und den USA.

 

Wie ernst ist die Lage auf dem afrikanischen Kontinent?

Corona Ausbreitung Afrika Anfang April

Die offiziellen Fallzahlen in Afrika sind relativ gering. Das heißt allerdings nicht, dass sich das Virus nicht rasant ausbreiten würde – nur wird in den Ländern südlich der Sahara kaum getestet. Rund 8000 Infizierte in 50 afrikanischen Staaten werden bisher gemeldet. Die Liste der Infektionen wird von Südafrika angeführt, mit 1100 bestätigten Fällen, gefolgt von Ägypten mit mehr als 500 sowie Marokko und Algerien mit jeweils mehr als 400 Ansteckungen. Die Kurve steigt fast überall exponentiell an.

„In den kommenden zwei Wochen wird sich das Schicksal Afrikas in Sachen Covid-19 entscheiden“, warnt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Gesundheitssysteme afrikanischer Staaten sind nicht gut ausgebaut. Sie dürften einer Belastung, wie sie China, Europa und die USA erleben, nicht gewachsen sein. Angesichts fehlender Intensivstationen und Beatmungsgeräte rechnet man mit Hunderttausenden von Opfern.

Wie reagieren die afrikanischen Regierungen auf den Corona-Ausbruch?

Die Behörden in den afrikanischen Ländern haben schnell reagiert. Das liegt auch daran, dass die Länder in Westafrika und im Zentrum Afrikas durch Ebola erfahren sind im Umgang mit hoch ansteckenden Viren. Die Reisebestimmungen wurden eingeschränkt, Flüge abgesagt und Schiffe dürfen nicht anlegen. Betroffene werden schnell isoliert. Trotzdem ist die Angst groß. Daher wurden auch in vielen Ländern Schulen und Kindergärten geschlossen und Ausganssperren verhängt. Manche Gesundheitsexperten meinen, dass die größte Gefahr von COVID-19 für Afrika nicht in den direkten Todesfällen bestehen könnte, sondern in den indirekten Auswirkungen für die Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria, die zusammen jedes Jahr 1,5 Millionen Menschenleben fordern.

Wie schützen sich die Menschen in den Townships und Slums?

(c) Michael v. Aichberger

Kinder im Township Kayelitsha, Südafrika

In den Armenvierteln Afrikas könnten die Maßnahmen gegen das Coronavirus nach Einschätzung von Helfern zur tödlichen Falle werden. Nach Angaben der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer müssen arme Menschen rausgehen, um Geld zu verdienen. Denn die meisten lebten von der Hand in den Mund. Doch würden die Ausgangssperren, die eine Verbreitung des Coronavirus eindämmen sollen, teils mit massiver Gewalt durchgesetzt, wie aus den Slums von Nairobi und Johannesburg berichtet wird. Dies sei lebensbedrohlich für den ärmsten Teil der Bevölkerung.

Armut in Afrika in Zahlen

In den Ländern südlich der Sahara leben den Angaben des IWF zufolge 413 Millionen Menschen in extremer Armut – mehr als die Hälfte aller Armen weltweit. Zwar versuchten die meisten Regierungen, die Armen zu unterstützen, aber das seien Tropfen auf den heißen Stein. So hätten dort 565 Millionen Menschen keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, 330 Millionen kein sauberes Wasser. Und wie sollen die Bewohner in den überfüllten Slums wie in Kibala in Kenia oder in den Townships in Südafrika Abstand halten? Siehe dazu auch den Beitrag über das Leben in Zeiten von Corona in Südafrika

3. März 2020

Das Cape Town International Public Art Festival 2020

Dieses Wandgemälde könnte von der ehemaligen Berliner Mauer stammen, ist aber auf einer Mauer in Kapstadt zu sehen. Die Hafenstadt in Südafrika zieht viele Künstler an, denn die Stadt ist reich und beherbergt zahlreiche Kunstsammler. Im Februar ist die Stadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Anlässlich des IPAF, des International Public Art Festival, wird die Stadt zu einem riesigen Freilicht-Atelier, so auch dieses Jahr. Die Künstlerviertel Woodstock und Salt River sind dann nicht nur Standort für Ateliers und Galerien. Die Gegend rund um die Shelley Road wird dank des Street Art Festivals zu einer großen Open-Air-Galerie, die wie auch die letzten Jahre zuvor um neue spannende Werke erweitert wird. Dann bringen die besten Street-Art-Künstler aus Südafrika und der Welt ihre Kunstwerke auf Häusern, Schulen oder Brandmauern an. Der Kunstkarawane folgen Kritiker und Journalisten. Touristenführer bieten einen spannenden Einblick in diese lebendige Kunst-Szene.

Künstler drücken mit ihrer Arbeit Hoffnung aus

„Kunst hält uns am Leben“, erzählt der Künstler Jason. Denn in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit und einer erschreckenden Kriminalitätsrate ist Kunst oft verbunden mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Deshalb bietet das IPAF talentierten Street-Art-Künstlern diese Plattform. Jedes Jahr werden neue Wände verziert, wächst die Galerie um weitere Werke. Bash, Blackrose, Jakes Mbele, Keng, Stefan Smit, Petra Vonk und zwanzig andere Künstler waren dieses Jahr vertreten, um die bunteste aller afrikanischen Städte zu verschönern.

 

Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft

„Als ich herkam waren Schwarze und Weiße strikt getrennt“, erzählt Manfred Zylla. Der gebürtige Augsburger lebt und arbeitet seit 1970 in Kapstadt. „Die Kunst war für viele eine Möglichkeit, mit diesen Beschränkungen umzugehen.“ Politische Aktivisten nutzten Kunst in den 1970er und 1980er Jahren, um auf die Apartheid aufmerksam zu machen. Welche Themen Künstler aus Afrika heute beschäftigen, lässt sich unter anderem in den Museen der Stadt erleben, etwa im Zeitz Museum of Contemporary Art Africa  im Hafenviertel Waterfront. In den umgebauten Getreidesilos am Hafen ist hier in einer permanenten Ausstellung auch die umfangreiche Privatsammlung beeindruckender afrikanischer Kunst des Namensgebers und ehemaligen Puma-Chefs Jochen Zeitz.

In wechselnden Ausstellungen zeigen zeitgenössische Künstler außerdem, was ihnen unter den Nägeln brennt: Emanzipation, Sexualität, prekäre Lebensbedingungen oder Korruption. „Es gibt halt immer noch eine Menge Probleme“, sagt Zylla.

8. Februar 2020

Was haben Mode, Influencer und Gemeinsam für Afrika miteinander zu tun?

Regelmäßig erfahren wir durch Zeitungen und Hochglanzmagazine, was in der Modewelt angesagt ist. Die großen Modemessen werfen halbjährlich ein Highlight auf die neuesten Kreationen, auf Modemacher und Models. Aber wir erfahren wenig darüber, wie Mode hergestellt wird und unter welchen Arbeitsbedingungen.

Auf Modesafari

Gemeinsam für Afrika – Modesafari in Kenia

Die Hilfsorganisationen von Gemeinsam für Afrika haben Influencer*Innen auf eine Modesafari nach Kenia eingeladen, um unter anderem zu zeigen, dass faire Produktionsbedingungen für alle gut sind, für die Hersteller und die Konsumenten. Diese Erfahrung erscheint zu wenig spektakulär, als dass die Tagespresse darüber berichtet. Hier sind Influencer gefragt, um solche bewundernswerten Aktionen ins Blickfeld zu rücken, die das Leben von Menschen, Tieren und Umwelt nachhaltig verbessern. Und die zum Nachdenken und Nachahmen anregen sollen.

 

Wilflife Works – eine vorbildliche Textilfabrik in einem Nationalpark

Näherin Sarah Njumwa Safari von Wildlife Works

Mit den Youtuberinnen und Instagrammern Anna Maria und Katharina Damm, Jannik Stutzenberger, Abigail Odoom und Hatice Schmidt ging es zu ungewöhnlichen Schulprojekten und Textilunternehmen in Kenia, unter anderem auch zu Wildlife Works im Tsavo-Nationalpark. Wildlife Works ist eine Fair Trade-zertifizierten Bekleidungsfabrik inmitten des Tsavo-Nationalparks. Hier produzieren die Näherinnen aus der Umgebung unter anderem für PUMA oder LaLesso. Was ist das einzigartige an Wildlife Works?  Zusammen mit der lokalen Bevölkerung setzt sich die Organisation seit zehn Jahren dafür ein, lokale Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenzug willigt die Gemeinde ein, Brandroden und Wildern zu unterlassen. Seit ihrem Bestehen hat Wildlife Works eine klimaneutrale Fabrik geschaffen, die Gesundheitsversorgung für die Einheimischen verbessert und Schulen gebaut. Darüber hinaus wurde eine Rangertruppe ins Leben gerufen, die im Wildkorridor unterwegs ist und die einheimische Bevölkerung über Natur- und Artenschutz aufklärt. Immerhin sind in dem Gebiet über 11000 Elefanten unterwegs! Die Influencer*Innen erfuhren vor Ort, wie positiv sich faire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Mode auf die Bevölkerung und den Naturschutz auswirken und welche Rolle sie selbst als Konsument*Innen spielen. Sie konnten sich vielerorts über Initiativen von gemeinnützigen Organisationen und Unternehmern informieren, die daran mitwirken, dass die Welt ein Stück weit besser wird. Dass dabei auch noch die Bedürfnisse der Tierwelt gewahrt werden, klingt fast zu schön um wahr zu sein.

Ein Resümee

Katharina Damm – Gemeinsam für Afrika

Was Katharina Damm, eine der mitreisenden Youtuberinnen, ihren Followern mitgibt? „Nachdem ich das alles gesehen habe, gehe ich ganz anders an Mode ran. Früher war für mich ein T-Shirt einfach nur ein T-Shirt. Jetzt denke ich daran, wie viele Schritte es braucht, bis es zu einem Endprodukt – zu einem T-Shirt – wird. Ich denke auch darüber nach, woher mein T-Shirt kommt und wer mein T-Shirt gemacht hat. Darüber habe ich früher nicht nachgedacht.“

Auf einem Youtube-Video könnt ihr mit Abigail Odoom die Nähwerkstatt von Wildlife Works besichtigen: https://youtu.be/Iudu1cwwdRs