5. April 2020

Das Corona-Virus und seine Folgen für Afrika

Ausgangskontrolle in Township in Südafrika

Das Coronavirus macht allen Menschen Sorgen, denn es ist gefährlich und breitet sich schnell aus. Bei den jüngeren Menschen verursacht es zumeist nur eine Erkältung. Aber für Kranke und alte Menschen kann es schlimme Auswirkungen haben und sogar zum Tod führen. Das Virus brach in China aus und trat dann seine Reise durch alle Kontinente an. Inzwischen ist es auch in Afrika angekommen. Zum Glück sind dort noch nicht so viele Menschen infiziert wie in China, Europa und den USA.

 

Wie ernst ist die Lage auf dem afrikanischen Kontinent?

Corona Ausbreitung Afrika Anfang April

Die offiziellen Fallzahlen in Afrika sind relativ gering. Das heißt allerdings nicht, dass sich das Virus nicht rasant ausbreiten würde – nur wird in den Ländern südlich der Sahara kaum getestet. Rund 8000 Infizierte in 50 afrikanischen Staaten werden bisher gemeldet. Die Liste der Infektionen wird von Südafrika angeführt, mit 1100 bestätigten Fällen, gefolgt von Ägypten mit mehr als 500 sowie Marokko und Algerien mit jeweils mehr als 400 Ansteckungen. Die Kurve steigt fast überall exponentiell an.

„In den kommenden zwei Wochen wird sich das Schicksal Afrikas in Sachen Covid-19 entscheiden“, warnt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Gesundheitssysteme afrikanischer Staaten sind nicht gut ausgebaut. Sie dürften einer Belastung, wie sie China, Europa und die USA erleben, nicht gewachsen sein. Angesichts fehlender Intensivstationen und Beatmungsgeräte rechnet man mit Hunderttausenden von Opfern.

Wie reagieren die afrikanischen Regierungen auf den Corona-Ausbruch?

Die Behörden in den afrikanischen Ländern haben schnell reagiert. Das liegt auch daran, dass die Länder in Westafrika und im Zentrum Afrikas durch Ebola erfahren sind im Umgang mit hoch ansteckenden Viren. Die Reisebestimmungen wurden eingeschränkt, Flüge abgesagt und Schiffe dürfen nicht anlegen. Betroffene werden schnell isoliert. Trotzdem ist die Angst groß. Daher wurden auch in vielen Ländern Schulen und Kindergärten geschlossen und Ausganssperren verhängt. Manche Gesundheitsexperten meinen, dass die größte Gefahr von COVID-19 für Afrika nicht in den direkten Todesfällen bestehen könnte, sondern in den indirekten Auswirkungen für die Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria, die zusammen jedes Jahr 1,5 Millionen Menschenleben fordern.

Wie schützen sich die Menschen in den Townships und Slums?

(c) Michael v. Aichberger

Kinder im Township Kayelitsha, Südafrika

In den Armenvierteln Afrikas könnten die Maßnahmen gegen das Coronavirus nach Einschätzung von Helfern zur tödlichen Falle werden. Nach Angaben der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer müssen arme Menschen rausgehen, um Geld zu verdienen. Denn die meisten lebten von der Hand in den Mund. Doch würden die Ausgangssperren, die eine Verbreitung des Coronavirus eindämmen sollen, teils mit massiver Gewalt durchgesetzt, wie aus den Slums von Nairobi und Johannesburg berichtet wird. Dies sei lebensbedrohlich für den ärmsten Teil der Bevölkerung.

Armut in Afrika in Zahlen

In den Ländern südlich der Sahara leben den Angaben des IWF zufolge 413 Millionen Menschen in extremer Armut – mehr als die Hälfte aller Armen weltweit. Zwar versuchten die meisten Regierungen, die Armen zu unterstützen, aber das seien Tropfen auf den heißen Stein. So hätten dort 565 Millionen Menschen keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, 330 Millionen kein sauberes Wasser. Und wie sollen die Bewohner in den überfüllten Slums wie in Kibala in Kenia oder in den Townships in Südafrika Abstand halten? Siehe dazu auch den Beitrag über das Leben in Zeiten von Corona in Südafrika

3. März 2020

Das Cape Town International Public Art Festival 2020

Dieses Wandgemälde könnte von der ehemaligen Berliner Mauer stammen, ist aber auf einer Mauer in Kapstadt zu sehen. Die Hafenstadt in Südafrika zieht viele Künstler an, denn die Stadt ist reich und beherbergt zahlreiche Kunstsammler. Im Februar ist die Stadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Anlässlich des IPAF, des International Public Art Festival, wird die Stadt zu einem riesigen Freilicht-Atelier, so auch dieses Jahr. Die Künstlerviertel Woodstock und Salt River sind dann nicht nur Standort für Ateliers und Galerien. Die Gegend rund um die Shelley Road wird dank des Street Art Festivals zu einer großen Open-Air-Galerie, die wie auch die letzten Jahre zuvor um neue spannende Werke erweitert wird. Dann bringen die besten Street-Art-Künstler aus Südafrika und der Welt ihre Kunstwerke auf Häusern, Schulen oder Brandmauern an. Der Kunstkarawane folgen Kritiker und Journalisten. Touristenführer bieten einen spannenden Einblick in diese lebendige Kunst-Szene.

Künstler drücken mit ihrer Arbeit Hoffnung aus

„Kunst hält uns am Leben“, erzählt der Künstler Jason. Denn in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit und einer erschreckenden Kriminalitätsrate ist Kunst oft verbunden mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Deshalb bietet das IPAF talentierten Street-Art-Künstlern diese Plattform. Jedes Jahr werden neue Wände verziert, wächst die Galerie um weitere Werke. Bash, Blackrose, Jakes Mbele, Keng, Stefan Smit, Petra Vonk und zwanzig andere Künstler waren dieses Jahr vertreten, um die bunteste aller afrikanischen Städte zu verschönern.

 

Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft

„Als ich herkam waren Schwarze und Weiße strikt getrennt“, erzählt Manfred Zylla. Der gebürtige Augsburger lebt und arbeitet seit 1970 in Kapstadt. „Die Kunst war für viele eine Möglichkeit, mit diesen Beschränkungen umzugehen.“ Politische Aktivisten nutzten Kunst in den 1970er und 1980er Jahren, um auf die Apartheid aufmerksam zu machen. Welche Themen Künstler aus Afrika heute beschäftigen, lässt sich unter anderem in den Museen der Stadt erleben, etwa im Zeitz Museum of Contemporary Art Africa  im Hafenviertel Waterfront. In den umgebauten Getreidesilos am Hafen ist hier in einer permanenten Ausstellung auch die umfangreiche Privatsammlung beeindruckender afrikanischer Kunst des Namensgebers und ehemaligen Puma-Chefs Jochen Zeitz.

In wechselnden Ausstellungen zeigen zeitgenössische Künstler außerdem, was ihnen unter den Nägeln brennt: Emanzipation, Sexualität, prekäre Lebensbedingungen oder Korruption. „Es gibt halt immer noch eine Menge Probleme“, sagt Zylla.

8. Februar 2020

Was haben Mode, Influencer und Gemeinsam für Afrika miteinander zu tun?

Regelmäßig erfahren wir durch Zeitungen und Hochglanzmagazine, was in der Modewelt angesagt ist. Die großen Modemessen werfen halbjährlich ein Highlight auf die neuesten Kreationen, auf Modemacher und Models. Aber wir erfahren wenig darüber, wie Mode hergestellt wird und unter welchen Arbeitsbedingungen.

Auf Modesafari

Gemeinsam für Afrika – Modesafari in Kenia

Die Hilfsorganisationen von Gemeinsam für Afrika haben Influencer*Innen auf eine Modesafari nach Kenia eingeladen, um unter anderem zu zeigen, dass faire Produktionsbedingungen für alle gut sind, für die Hersteller und die Konsumenten. Diese Erfahrung erscheint zu wenig spektakulär, als dass die Tagespresse darüber berichtet. Hier sind Influencer gefragt, um solche bewundernswerten Aktionen ins Blickfeld zu rücken, die das Leben von Menschen, Tieren und Umwelt nachhaltig verbessern. Und die zum Nachdenken und Nachahmen anregen sollen.

 

Wilflife Works – eine vorbildliche Textilfabrik in einem Nationalpark

Näherin Sarah Njumwa Safari von Wildlife Works

Mit den Youtuberinnen und Instagrammern Anna Maria und Katharina Damm, Jannik Stutzenberger, Abigail Odoom und Hatice Schmidt ging es zu ungewöhnlichen Schulprojekten und Textilunternehmen in Kenia, unter anderem auch zu Wildlife Works im Tsavo-Nationalpark. Wildlife Works ist eine Fair Trade-zertifizierten Bekleidungsfabrik inmitten des Tsavo-Nationalparks. Hier produzieren die Näherinnen aus der Umgebung unter anderem für PUMA oder LaLesso. Was ist das einzigartige an Wildlife Works?  Zusammen mit der lokalen Bevölkerung setzt sich die Organisation seit zehn Jahren dafür ein, lokale Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenzug willigt die Gemeinde ein, Brandroden und Wildern zu unterlassen. Seit ihrem Bestehen hat Wildlife Works eine klimaneutrale Fabrik geschaffen, die Gesundheitsversorgung für die Einheimischen verbessert und Schulen gebaut. Darüber hinaus wurde eine Rangertruppe ins Leben gerufen, die im Wildkorridor unterwegs ist und die einheimische Bevölkerung über Natur- und Artenschutz aufklärt. Immerhin sind in dem Gebiet über 11000 Elefanten unterwegs! Die Influencer*Innen erfuhren vor Ort, wie positiv sich faire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Mode auf die Bevölkerung und den Naturschutz auswirken und welche Rolle sie selbst als Konsument*Innen spielen. Sie konnten sich vielerorts über Initiativen von gemeinnützigen Organisationen und Unternehmern informieren, die daran mitwirken, dass die Welt ein Stück weit besser wird. Dass dabei auch noch die Bedürfnisse der Tierwelt gewahrt werden, klingt fast zu schön um wahr zu sein.

Ein Resümee

Katharina Damm – Gemeinsam für Afrika

Was Katharina Damm, eine der mitreisenden Youtuberinnen, ihren Followern mitgibt? „Nachdem ich das alles gesehen habe, gehe ich ganz anders an Mode ran. Früher war für mich ein T-Shirt einfach nur ein T-Shirt. Jetzt denke ich daran, wie viele Schritte es braucht, bis es zu einem Endprodukt – zu einem T-Shirt – wird. Ich denke auch darüber nach, woher mein T-Shirt kommt und wer mein T-Shirt gemacht hat. Darüber habe ich früher nicht nachgedacht.“

Auf einem Youtube-Video könnt ihr mit Abigail Odoom die Nähwerkstatt von Wildlife Works besichtigen: https://youtu.be/Iudu1cwwdRs

2. Juni 2019

Ein Foto schreibt Geschichte

(c) Sam Nzima

Der 16. Juni wird weltweit als Tag des afrikanischen Kindes begangen. Es ist ein besonderes Datum. Am 16. Juni 1976 bekam der Fotograf Sam Nzima den Auftrag, für die von Schwarzen herausgegebene südafrikanische Zeitung „The World“ über eine Demonstration in Soweto zu berichten. Soweto war die größte Township im Südwesten von Johannesburg. Eine Anordnung des Apartheid-Regimes sorgte seit Wochen für wachsenden Unmut unter den eineinhalb Millionen schwarzen Bewohnern. Auf dem Foto links ist Sam Nzima vor seinem berühmten Foto vom Schüleraufstand in Soweto.

Warum demonstrierten die Schüler von Soweto?

Der Unterricht in den Schulen sollte künftig auch in Afrikaans gehalten werden, der Sprache der weißen burischen Elite. Die schwarze Mehrheit war zornig, einmal mehr wurde sie deklassiert und benachteiligt. Die Schüler von Soweto gingen auf die Straße und demonstrierten gegen die neue Verordnung. In der Presse war bekannt geworden, dass die Polizei im Ernstfall auch Schusswaffen einsetzen würde. Jeder, der an diesem Tag eine Kamera hatte, war auf den Beinen, um Zeuge des Geschehens zu werden. Auch Sam Nzima. Zunächst verlief die Demo friedlich, die Schüler sagen den Song „Nkosi Sikelele“, der damals in Südafrika verboten war. Die Polizisten feuerten ziellos in die Menge, die Schüler liefen in Panik auseinander. Noch ein Schuß fiel, ein Junge stürzte tödlich verletzt zu Boden. Es war der 13jährige Hector Pieterson. Sam Nzima war vor Ort, er drückte auf den Auslöser und schoss mehrere Aufnahmen davon, wie ein älterer Junge den Verletzten aufhob und aus der Gefahrenzone trug. Es war Mbuyisa Makhubo. Hectors fassungslose Schwester Antoinette lief neben ihm.

Foto von Hector Pieterson, Mbuyisa Makhubo und Hectors Schwester Antoinette (c) Sam Nzima

Hector war schon tot, noch bevor ihn Mbuyisa Makhubo in das rettende Fahrzeug von Sam Nzima hieven konnte. Der Photograph versteckte den Film in seiner Socke, unmittelbar bevor er von Polizisten angehalten und zur Herausgabe seiner Kamera gezwungen wurde. Denn in Südafrika war es zu der Zeit verboten, die Polizei bei Einsätzen zu fotografieren.

Was danach geschah…

mit Sam Nzima

Die von Schwarzafrikanern betriebene Tageszeitung The World, bei der Sam Nzima beschäftigt war, entschloss sich trotz des Verbots die Fotos zu veröffentlichen. Die Welt sollte sehen, was im Südafrika der Apartheid geschah. Bald darauf wurde Sam Nzima von der Polizei aufgesucht und bedroht. Er sollte sich zwischen Job oder Leben entscheiden. Nzima verstand, er kündigte. Dennoch wurde er ein Jahr und sieben Monate zu Arrest verdonnert. Sein Foto jedoch ging um die Welt. Es zeigte das Trauma der schwarzen Bevölkerung Südafrikas, es rüttelte die Menschen weltweit auf. Das Foto markierte einen Wendepunkt, es war der Anfang vom Ende der Apartheid. Erst Jahrzehnte später erhielt Sam Nzima das Copyright auf das Foto. Im August 2018 starb Sam Nzima.

mit Hector Pieterson

Er wurde wenige Tage danach auf dem Avalon Cemetery bestattet. Am 16. Juni 2002, seinem 26. Todestag, wurde in Sowetos Township Orlando das Hector-Pieterson-Museum eröffnet. Nelson Mandela weihte das Hector-Pieterson-Memorial ein. Seit 1991 erinnert der Tag des afrikanischen Kindes an Hector Pieterson, er wurde zum Symbol für Kinderrechte.

mit Mbuyisa Makhubo

Ihm wurde zum Vorwurf gemacht, dass er sich mit dem Verwundeten fotografieren ließ. Es wäre ein populistischer Akt, um die weiße Regierung und die Polizei zu diskreditieren. Mbuyisa Makhubo tauchte unter, denn er musste mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Seine Familie berichtete später, nach der Rettungsaktion habe er sich verändert. Er war von Schuldgefühlen geplagt, dass er den Jungen nicht retten konnte. Seine Spur verlor sich, seine Familie hörte nie wieder etwas von ihm.

Jedes Jahr am 16. Juni wird der Tag des afrikanischen Kindes gefeiert. Jedes Jahr erhält der Gedenktag ein anderes Motto, um auf Mißstände aufmerksam zu machen. 2019 ist das Motto: „Humanitäre Maßnahmen in Afrika: Kinderrechte zuerst“. Kinder haben das Recht, gehört zu werden. Ihre Stimme muss Gewicht haben bei Entscheidungen, die ihre Belange und ihre Zukunft betreffen.

Angelika und das Team von afrika4teens gedenkt allen, die beim Schüleraufstand in Soweto 1976 dabei waren, besonders den drei Hauptakteuren Hector Pieterson, Sam Nzima und Mbuyisa Makhubo.

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