Senegal
Senegal bildet zusammen mit Gambia und Kap Verde den äußersten Westen von Afrika. Senegal stand unter französischer Kolonialherrschaft und zählt zu den Staaten der Francophonie. Französisch ist auch heute die Amtssprache der westafrikanischen Republik. Senegal ist halb so gross wie Deutschland und mit 18,5 Millionen Menschen wenig besiedelt.
Senegal – ein Land zwischen Sahel und Atlantik

CIA World Factbook
Senegal ist nach dem Fluss Senegal benannt. Es grenzt an den Atlantik. Senegal zählt zu den Ländern der Sahelzone wie Mauretanien, Mali, Niger und Burkina Faso. Diese Länder sind Halbwüsten, die hauptsächlich von Dornsavannen bedeckt sind. Es regnet kaum, Wasser ist knapp, deshalb kommt es häufig zu Dürren. Im Norden weht von November bis März der Harmattan, ein trockener, sandiger Wind aus der Sahara. Mit dem Grenzfluss Senegal grenzt das Land im Norden an Mauretanien, im Osten bildet der linke Senegal-Nebenfluss Falémé die Grenze zu Mali. Im Süden grenzen Guinea-Bissau und Guinea an das Land. Das südliche Senegal wird vom regenreichen Monsun bestimmt. Das kleine Land Gambia liegt beiderseits des Unterlaufs des Gambiaflusses und ist umschlossen von Senegal. Es liegt am gleichnamigen Fluss Gambia. Dakar, die Hauptstadt von Senegal liegt am Atlantik, am westlichsten Punkt des Landes.
Das Dreiflussland
Drei Flüsse fliessen durch Senegal: der Senegal, Casamance und Gambia. Die Gebiete an den Flüssen sind fruchtbar, hier wachsen Hirse, Yams und Maniok. Senegal besteht aus Tiefland, das im Osten zum Bergland Fouta-Djalon ansteigt, einem sanften Hügelland. Die Flüsse Senegal, Saloum, Gambia und Casamance durchfließen die Küstenebene Richtung Atlantik. Die Küste ist flach und wenig gegliedert. Die Halbinsel Kap Verde bildet den westlichsten Landvorsprung Afrikas. Der Süden von Senegal liegt im Übergang zu den Tropen. Hier wachsen Palmen und tropische Wälder.
Dakar
Große Städte haben sich in Senegal erst im Zuge der Kolonialisierung entwickelt, so auch die Hauptstadt Dakar. Die Stadt hat über 3 Millionen Einwohner, sie liegt auf einer Halbinsel am Atlantik.

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Dakar ist eine Hafenstadt, die rund um ein französisches Fort entstand. Der Hafen liegt in einer Bucht auf der Halbinsel Kap Verde. Die Stadt ist wie ein Spiegel der Geschichte des Landes mit ihrer Mischung aus kolonialer Geschichte, moderner Urbanität und kultureller Vielfalt. Sie ist bekannt durch die Insel Gorée, die als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet ist, durch ihre bunten Märkte und ihre schönen Strände. Dakar ist das politische und kulturelle Zentrum Senegals, eine moderne Stadt mit Universitäten, Museen, Forschungsstätten, TV- und Radiostationen sowie dem bekannten Théâtre National Daniel Sorano. Es gibt zahlreiche Musikclubs, in denen sich eine der interessantesten Musikscenen in Westafrika gebildet hat. Ein Höhepunkt im Kulturleben ist der Nachtklub des Sängers Youssou N’Dour, Thiossane, wo der Künstler selbst ab den frühen Morgenstunden Konzerte gibt.
Besonderheit Senegals
Der rosafarbene See Lac Retba nahe Dakar ist ein Wahrzeichen Senegals. Der rosafarbene Salzsee Lac Retba ist eine Laune der Natur. Nur in diesem See gedeihen Algen, die ein rotes Pigment produzieren, in der Trockenzeit ist die rosa Färbung besonders intensiv.

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Der See hat eine Fläche von ca. 3 km² und ist an der tiefsten Stelle 3 m tief. Der hohe Salzgehalt von teilweise bis zu 40 % ist hauptsächlich auf das Eindringen von Meerwasser zurückzuführen. Um den See herum haben sich Dörfer angesiedelt, die Bewohner leben hauptsächlich von der Salzgewinnung. Im See leben noch Fische, sie haben sich an seinen hohen Salzgehalt angepasst, aber sie erreichen nur ein Viertel der Größe von Fischen, die in einer normalen Umgebung leben. Die UNESCO hat den See zum Welterbe erklärt.
Flora und Fauna

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Die typischen Großtiere der Savanne wie Elefanten und Löwen finden sich nur mehr selten in Senegal. Etwas stärker verbreitet sind Affenarten wie Meerkatzen, Paviane und Schimpansen. Auch Flusspferde, Wasserbüffel, Gazellen, Antilopen und Warzenschweine leben im Land. Giraffen, die vor 100 Jahren in der Ferlo-Savanne stark verbreitet waren, findet man heute nur noch im Bandia-Reservat. Dafür mussten sie aus Südafrika importiert werden. In den Trockensavannen leben Schakale, Stachelschweine, Wüstenfüchse und Hyänen. Eine artenreichere Tierwelt kann man fast nur noch in Schutzgebieten wie dem Nationalpark Niokolo-Koba beobachten wie Büffel, Elefanten, Flusspferde, Geparden, Hyänen und Löwen, im Süden auch Warzenschweine. Im Vogelschutzgebiet Djoudj im Nordwesten des Landes leben 180 Vogelarten, unter anderem Rötelpelikan, Silber- und Purpurreiher. Wegen seiner Artenvielfalt ist Djoudj von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt worden. In den Feuchtwäldern im Süden Senegals sind viele Schlangenarten verbreitet. Hier ist die Heimat einer der gefährlichsten Schlangen Afrikas, der Boa constrictor, die ausgewachsen bis zu vier Meter lang werden kann.
Wirtschaft und Handel
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Senegal besitzt nur wenig Bodenschätze wie Phosphate und Erdöl. Phosphate gehören zu den wichtigen Exportgütern. Handelspartner ist Frankreich und zunehmend Indien. Ausser Textil und Nahrungsmittel verarbeitenden Betriebe gibt es wenig Industrie. Senegal wickelt fast seinen gesamten Außenhandel über den Seeweg ab. Der mit Abstand wichtigste Hafen ist der Port Autonome de Dakar.
Die Landwirtschaft bildet die natürliche Lebensgrundlage der stark wachsenden Bevölkerung. Über zwei Drittel der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und der Fischerei. Für den Eigenbedarf werden in kleinbäuerlichen Betrieben Hirse, Reis, Maniok, Kartoffeln, Gemüse und Baumwolle angebaut. Doch Dürreperioden, Überweidung und Bodenerosion mindern die Erträge, so dass sich die Bevölkerung des Landes nicht ernähren kann. Nahrungsmittel müssen eingeführt werden, hauptsächlich aus Nigeria. Exportiert werden Fisch, Fischerzeugnisse und Erdnüsse, sie machen mehr als 30 % des Exportvolumens aus. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut, knapp die Hälfte ist arbeitslos.
Völker und Religionen
Die Wolof sind das größte Volk Senegals. Ihre Sänger und Griots sind über die Grenzen Afrikas hinaus berühmt. Die Serer sind ein Bauernvolk im Westen von Senegal. Sie sind bekannt für ihre Schmiedekunst.

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Die meistgesprochene Sprache ist Wolof, als Erbe der Kolonialzeit gilt bis heute französisch als Amtssprache in Senegal. Mehr als 80 Prozent der Senegalesen sind islamgläubig. Jedes Jahr wandern die Gläubigen nach Touba, einer kleinen Stadt in der Wüste, um einen Marabout, einen Heiligen zu verehren. Sie glauben, dass er eine besondere Verbindung zu Gott hat und schenken ihm Geld, damit er für sie betet. Kinder und Jugendliche tragen häufig zum Familieneinkommen bei. Mädchen gehen weniger lang zur Schule als Jungen und werden in der weiterführenden Bildung benachteiligt. Es herrscht ein traditionelles Frauenbild vor, das für die afrikanisch-islamischen Lebensgemeinschaften typisch ist. Mädchen brauchen keine weiterführende Ausbildung oder gar ein Studium, so denken viele Senegalesen noch heute, denn sie werden bald heiraten und selbst eine Familie haben. Die Familientraditionen werden hoch geschätzt und gemeinsames Kochen ist ein großes Vergnügen für die Frauen. Hirsebrei, Yams und Fisch gehören zu einem Festessen. Gegessen wird aus großen Schüsseln.
Ausbildung, Kunst und Kultur
Die wirtschaftliche Armut des Landes schlägt sich in den Bildungsmöglichkeiten nieder. Die Universitäten sind kein Garant mehr, erfolgreich zu werden. Brillante Intellektuelle und Helden der Unabhängigkeit, wie der erste senegalesische Präsident Leopold Sedar Senghor sind kein Vorbild mehr. Die Studenten haben heute andere Vorbilder, Helden aus dem Sport, den Medien und der Musikindustrie. Viele sind zu sehr mit dem Beschaffen von Stipendien beschäftigt und der Bewältigung ihrer Existenz. Uberfüllte Universitäten, schlechte Ausstattung und Infrastruktur kommen hinzu, so dass die Mehrheit der Studenten ihr Studium abbrechen. Der Anreiz zur Ausbildung ist auch nicht hoch, denn viele junge Akademiker finden nach ihrem Studium wenige angemessene Berufsmöglichkeiten. Wie in anderen westafrikanischen Ländern wandern die gut ausgebildeten Jungen ab in andere afrikanische Länder oder nach Frankreich. Die hohe Migration hat ein neues Phänomen geschaffen. Die Gelder, die von im Ausland arbeitenden Senegalesen in die Heimat gesandt werden, bilden heute einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in Senegal.
Geschichte
Senegal wurde ab dem 9. Jahrhundert vom Islam erobert. Mit dem Tanssaharahandel entwickelten sich in der Sahelzone die großen afrikanischen Königreiche des Mittelalters. In Senegal entstand Tekrur, ein großes Reich, das von den Serern am Fluss Senegal gegründet wurde. Es entwickelte sich zu einem bedeutenden Handelszentrum. Die Vorherrschaft Tekrurs ging im 14. Jahrhundert an das Malireich über. Zu dieser Zeit machten sich die ersten europäischen Seefahrer auf, um die Westküste Afrikas zu erkunden. Sie waren die Vorboten der Kolonisierung, die in Senegal begann. Mehr über die Geschichte Senegals
Mehr über die Geschichte der Kolonialisierung Afrikas
Der traurigste Ort in Senegal – Ile de Gorée
Die Insel Ile de Gorée liegt vor Dakar, der Hauptstadt von Senegal. Sie war vor zweihundert Jahren ein Zentrum des Sklavenhandels an der Atlantikküste.

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In den Forts wurden Gefängnisse errichtet, in denen Menschen, die aus dem Innern des Kontinents an die Küsten verschleppt waren gesammelt und eingekerkert wurden, bis die Handelsschiffe sie nach Südamerika und Europa brachten. Dort wurden sie als Arbeitssklaven verkauft. Viele starben bereits auf der Überfahrt. Wenn sie ihr Ziel erreichten, erwartete sie ein grausames Schicksal von Unfreiheit, Zwangsarbeit und Erniedrigung. Mehr über den Sklavenhandel
Senegal heute

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Am 20. August 1960 wurde Senegal unabhängig, eine präsidiale Republik wurde installiert. Der Lyriker Léopold Sédar Senghor wurde erster Präsident des unabhängigen Staates. Senegal war ein Hoffnunsträger für Bildung und Wohlstand in Westafrika. Doch nach seiner Amtszeit trat ein Phänomen ein, das in vielen jungen Staaten Afrikas nach der Unabhängigkeit zu beobachen war. Einstige Reformer regieren zunehmend autoritär, sie sichern sich mehrere Amtszeiten zu und schalten die Opposition aus. Doch die Menschen Senegals beginnen sich zu wehren. Eine Gruppe junger Rap Musiker übernahm bei den letzten Wahlen im März 2012 die Fundamentalopposition. „Y’en a marre“ heißt ihre Organisation, was bedeutet „wir haben die Schnauze voll“, von der alten Regierung und den mächtigen Griots, die konservative Politiker gestützt haben. Die Akteure dieser Musikbewegung haben es geschafft, dass der international bekannte Musiker Youssou N’Dour Bildungsminister im Senegal wurde. Er galt als Garant für eine Erneuerung der Demokratie.
Die Zukunft gestalten die jungen Senegalesen
Trotz personeller Änderungen in der Regierung wird „Y’en a marre“ weiter bestehen. Warum? Über die Hälfte der Senegalesen ist unter 25. Die meisten Jugendlichen sind arbeitslos. Es sind gut ausgebildete Leute, die sich nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten können. In Rapsongs bringen sie ihre Wut über Korruption, Arbeitslosigkeit und steigende Lebensmittelpreise zum Ausdruck. Zu den Hauptakteuren von „Y’en a marre“ zählen Keur-Gui, Fou Malade und Simon. Sie machen kompromißlosen, politischen Rap. Einige ihrer Songs stehen auf dem Index.


